Nazi-Relikte ins Museum

Stephan Alfter über unbequeme Denkmäler in Deutschland

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Stephan Alfter
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Es sind fast auf den Tag genau fünf Jahre vergangen seit diesem spektakulären Frühsommerabend am 21. Mai 2015 in Bad Dürkheim. Plötzlich rollten diese monumentalen Überbleibsel aus der NS-Zeit auf einem Tieflader des THW durch ein pfälzisches Gewerbegebiet. Skurril. Die TV-Dokus über „Hitlers Helfer“ hatte vorher fast jeder gesehen, aber Hitlers Pferde? Damit kannte sich bis dato eher die Kunstgeschichte aus. Die beiden Hengste aus Bronze – das ist heute Allgemeinbildung – entstammen dem Atelier Josef Thoraks . Der Mann war Hitlers Leib-Bildhauer, wenn man so will. Seine Plastiken galten nach 1989 als verschwunden. Nun soll geklärt werden, wer der rechtmäßige Eigentümer ist – der Dürkheimer Geschäftsmann, in dessen Lager sie auftauchten, oder eben der deutsche Staat, der sich selbst als legitimer Besitzer sieht? Natürlich wäre es anmaßend, einer Entscheidung des Gerichts vorzugreifen, dennoch muss die Einlassung erlaubt sein, dass die Objekte – egal, wem sie am Ende zugesprochen werden – letztlich in ein Museum gehören. Das kann das Deutsche Museum in Berlin sein, das Kunsthaus Dahlem oder die Spandauer Zitadelle. Solche Relikte bedürfen der Einordnung. Dann erfüllen sie nach dem langsamen Verschwinden von Zeitzeugen eine wichtige Rolle als Vermittler von NS-Geschichte. Damit trifft auf die Pferde dasselbe zu wie auf die Herxheimer Hitlerglocke. Diese Dinge gehören in die museale Öffentlichkeit – als Mahnmale.

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