Münchner Machtvakuum

Marc Stevermüer zur Story hinter dem Neuer-Poker

Von 
Marc Stevermüer
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Hin und wieder erreichen Menschen große Bekanntheit, ohne viel dafür zu können. Aktuelles Beispiel: Toni Tapalovic. Seit Mittwoch wissen nicht nur Fans des FC Bayern, dass dieser Mann der Torwarttrainer eines gewissen Manuel Neuer ist. Dem Fußball-Weltmeister von 2014 war auf jeden Fall daran gelegen, weiter mit Tapalovic zusammenzuarbeiten. Es sei ihm „wichtig“ gewesen, teilte Neuer mit und freute sich, dass das nun „geklärt“ sei. Im Gegenzug unterzeichnete der Schlussmann ein bis 2023 datiertes Arbeitspapier, was nun alle im Club glücklich macht. Hä? Halt! Stop! War da nicht was? Ja, doch, da war was!

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Es ist erst wenige Wochen her, da zeigte sich Neuer im Interview mit der „Bild am Sonntag“ schlichtweg „irritiert“, dass Inhalte der Vertragsgespräche an die Öffentlichkeit gelangten. Er nannte keine Namen, in ein schlechtes Licht rückte aber automatisch Hasan Salihamidzic. Der Sportdirektor stand wiederum alleine da, weil niemand aus dem Bayern-Imperium diesen Vorwürfen widersprach – was durchaus bemerkenswert ist, weil Neuer den Club über das Interview nur informierte, es aber nicht von der Pressestelle genehmigen oder autorisieren ließ. Zum Vergleich: Philipp Lahm wurde vor einigen Jahren für ein ähnliches Vorgehen – oder doch besser Vergehen – mit einer Geldstrafe sanktioniert. Jetzt aber passierte nichts, was die eigentliche Geschichte dieses Pokers ist.

Wer hat künftig das Sagen?

Denn auch wenn Salihamidzic bald zum Sportvorstand aufsteigt, ist er trotz der formalen Beförderung noch immer nicht unumstritten und nun doppelt gefordert. Einerseits muss der 43-Jährige vorzeigbare Ergebnisse auf dem Transfermarkt liefern, andererseits aber auch intern Profil gewinnen. Und momentan scheint nicht ganz klar, was eigentlich die schwierigere Herausforderung wird. Denn in der sich im Umbruch befindlichen Führungsebene des FC Bayern ringt gerade jeder ein wenig um Macht, Einfluss und Anerkennung.

Der einst allmächtige Präsident Uli Hoeneß hält sich in zweiter Reihe zurück, sein Nachfolger Herbert Hainer ist weniger omnipräsent. Der ewige Karl-Heinz Rummenigge steht vor dem Abschied als Vorstandsboss, dessen Nachfolger Oliver Kahn ist schon da. Der will sich natürlich ebenso profilieren wie der gerade erst mit einem Cheftrainervertrag ausgestattete Hansi Flick, der noch im März den Druck auf Salihamidzic erhöhte und nicht nur Neuzugänge forderte, sondern auch gleich ein Vetorecht bei Transfers.

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In diesem von Ränkespielen geprägten Spannungsfeld dürfte der künftige Sportvorstand vor allem dann punkten, wenn er die anstehenden Aufgaben bei der Kaderplanung löst. Ob er das kann? Zumindest blieb der Beweis bislang aus, nachdem es Salihamidzic ein Jahr lang fahrlässig versäumt hatte, geeignete Nachfolger für Franck Ribéry und Arjen Robben zu finden und sich hier und da – nennen wir es mal – ungeschickt anstellte. Doch es gibt Zeichen der Hoffnung: Schließlich gelang Salihamidzic gerade nicht nur Neuers Vertragsverlängerung, sondern auch die von Tapalovic.

Redaktion Handall-Reporter, Rhein-Neckar Löwen und Nationalmannschaft