Missbrauch: Schnellere Hilfe für Opfer

Von 
Angela Boll
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Opfer von sexuellem Missbrauch schleppen ihre Last ein Leben lang mit sich herum. Mal ist sie schwerer zu ertragen, mal leichter. Aber nie – an keinem einzigen Tag – können sie die Last komplett abwerfen. Sie müssen damit leben, dass andere über sie bestimmt haben und dass diese Tat nachhaltig auf sie einwirkt.

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Dass solche Menschen in Deutschland auf ein Opferentschädigungsgesetz zurückgreifen können und vom Staat eine „Entschädigung“ erhalten, ist deshalb grundsätzlich sehr gut. Das Prozedere, das die Menschen allerdings über sich ergehen lassen müssen, ist eine echte Zumutung. Nachdem sie bereits in zahlreichen Vernehmungen den Missbrauch bis ins Detail wiedergeben mussten, folgt dann eine aufwendige Begutachtung, zudem zahlreiche Behördengänge und Anträge. Dem nicht genug, müssen sie das Ganze nach einigen Jahren wiederholen, damit die Fortzahlung gewährleistet ist.

Darf das wahr sein? Wie viele Studien gibt es denn, die belegen, dass Opfer ein Leben lang unter dem Missbrauch leiden? Zumindest den Opfern, deren Glaubwürdigkeit in einem Prozess bereits bewiesen wurde, sollte die Strapaze eines Gutachtens erspart bleiben. Bei allen anderen Betroffenen müsste es der Staat bei einer einmaligen Überprüfung durch einen Sachverständigen belassen. Und bei allen muss die Entschädigung zügig ausgezahlt werden. Die Ungerechtigkeit bleibt. So oder so.

Redaktion Lokalredaktion, Gerichtsreporterin, weitere Themenschwerpunkte: Kriminalität, Justizvollzugsanstalt, außerdem bunte Themen, Prominente zu Gast in Mannheim und Soziales