Machtmissbrauch

Von 
Rudi Wais
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Diesen Kommentar gibt es nicht umsonst. Unsere Leser bezahlen am Kiosk oder im Abonnement für ihre Zeitung - und unser Verlag bezahlt den Autor, der diesen Kommentar schreibt, das Papier, auf dem der nachts gedruckt wird, die Druckmaschinen und natürlich auch Fahrer und Zusteller, die die Zeitungen dann in aller Frühe ausliefern. Im Idealfall haben am Ende alle fünf etwas von diesem Kommentar: Leser, Verlag, Journalist, Fahrer und Zusteller. Sie leben mit der Zeitung oder von ihr. Nur Google will nicht bezahlen.

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Der amerikanische Internet-riese sammelt Texte ohne Rücksicht auf Urheber- und Verlagsrechte in speziellen Nachrichtenportalen. Das sogenannte Leistungsschutzrecht, nach dem Unternehmen wie Google Zeitungen und Zeitschriften dafür in Zukunft entschädigen müssen, bedroht daher auch nicht die Freiheit des Internets, sondern allenfalls kommerzielle Interessen.

Die Behauptung des Konzerns, das Suchen und Finden im weltweiten Netz werde per Gesetz behindert, ist eine Unverfrorenheit: Weder die Regierung noch die Verlage oder deren Journalisten wollen Inhalte aus dem Internet nehmen. Das Leistungsschutzrecht soll nur verhindern, dass sich Anbieter wie Google kostenlos bei anderen Unternehmen bedienen.

Selten hat ein Konzern seine Interessen so rücksichtlos durchzusetzen versucht wie im Moment Google. Auf den Seiten der Suchmaschine werden unkundige Besucher gezielt desinformiert und zu einer Art Shitstorm gegen die Abgeordneten des Bundestages aufgerufen, die sich für das neue Leistungsschutzrecht starkmachen - als sei Google selbst das Netz und nicht nur einer von Millionen von Anbietern, die sich dort tummeln.

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Diese Form von Lobbyismus trägt nicht nur allmachtsfantastische Züge, sie ignoriert auch ein fundamentales ökonomisches Prinzip. Guter Journalismus kostet Geld - und deshalb darf ihn auch Google nicht umsonst bekommen.

Korrespondent