Kuschen vor Katar

Marc Stevermüer zur Rolle des Emirats im Sport

Von 
Marc Stevermüer
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Hin und wieder ist im Sport eine Reaktion wichtiger als das Resultat. Das gilt auf dem Feld, wenn eine kriselnde Mannschaft zwar erneut verliert, sich aber nach Kräften wehrt. Oder wenn Sportler sich nicht bevormunden lassen, so wie es die Beachvolleyballerinnen Karla Boger und Julia Sude mit ihrem Startverzicht beim Turnier in Katar getan haben. Sie setzten ein politisches Zeichen, auch wenn sie das gar nicht wollten. Zumindest betont das Duo, dass es ihm nur um das Tragen der gewohnten Arbeitskleidung gegangen sei. Und das ist eben ein Sport-Bikini.

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Nun muss man den ungewollten Protest nicht größer machen als er ist. Er verstärkt allerdings ganz gewiss das stets wachsende ungute Gefühl, dass da etwas nicht stimmt in der Welt des Sports, dass da gewisse Dinge in eine gefährliche Schieflage rutschen und dass es neben den üblichen Herausforderungen wie Doping und Korruption noch ein weiteres gravierendes Kern-Problem gibt: Und zwar Katar.

Vernebelte Sinne

Der Sport ist für den Wüstenstaat längst ein Mittel zum Zweck, um seine politische Position zu stärken. Und das viele Geld vernebelt da manch einem Verband schon mal die Sinne – oder regt das Augen-zu-und-durch-Prinzip an. Nichts hören. Nichts sehen. Vor allem keine Menschenrechtsverstöße. Sondern einfach nur kassieren. Und zwar unter allen Umständen. Die FIFA verlegt im nächsten Jahr extra sogar ihre WM in den europäischen Winter, um in Katar zu Gast zu sein. Dann ist es in dem Emirat zwar eigentlich immer noch zu heiß, aber das hat auch bei der Leichtathletik-WM 2019 niemanden der Funktionäre interessiert.

Nun ist das Kuschen vor Katar längst kein exklusives Problem von Fußballern und Leichtathleten. Handballer, Radsportler und Turner haben sich auch schon kaufen lassen, um dort eine WM auszutragen. Und nicht zu vergessen der FC Bayern, der im Emirat sei Jahren sein Trainingslager bezieht und dabei nie kritische Worte, bei der Rückkehr aber schon mal geschenkte Rolex-Uhren im Gepäck hat.

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Was Folgsam- und Fügsamkeit angeht, hat der Volleyball-Weltverband nun allerdings neue Maßstäbe gesetzt. Er rechtfertigte die Kleiderordnung mit dem Respekt vor der Kultur und den Traditionen des Gastgeberlandes. Vom Respekt vor den wie Sklaven behandelten Gastarbeitern in Katar hat leider noch niemand gesprochen. Aber die zahlen ja auch kein Geld.

Redaktion Handall-Reporter, Rhein-Neckar Löwen und Nationalmannschaft