Kultur des Abstreitens

Alexander Müller zum Rassismus im deutschen Fußball

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Alexander Müller
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Nicht Pippi Langstrumpf, sondern Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke war zu Gast im „Aktuellen Sportstudio“. Ob man die kauzige Art des altgedienten Bundesliga-Managers nun mag oder nicht, tut hier nichts zur Sache. Für Erstaunen sorgten vielmehr Schmadtkes Äußerungen zu den Themenkomplexen Corona und Rassismus, zu denen einem nur Pippis altes Motto einfällt: „Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt.“

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Dass der 56-Jährige der Auffassung ist, die Fußball-Bundesliga sei bisher gut durch die Pandemie gekommen, kann man ihm mit viel Wohlwollen vielleicht noch durchgehen lassen – möglicherweise hat Schmadtke nur kurz vergessen, wie viele Infektionen es in seinem eigenen Verein schon gegeben hat. Es waren neun, also ganz schön viele. Und da sprechen wir noch gar nicht über den Eklat um die sinnfreien Corona-Leugner-Aussagen von VfL-Stürmer Wout Weghorst.

Nun gut. Dass Schmadtke aber schlichtweg leugnen will, dass es im deutschen Fußball ein akutes Rassismus-Problem gibt, ist unsäglich. Gerade an einem Wochenende, an dem der Leverkusener Nadiem Amiri von Union Berlins Verteidiger Florian Hübner so übel rassistisch beleidigt worden ist, dass der DFB Ermittlungen aufgenommen hat.

Laut Aussage von Bayer-Kollege Jonathan Tah sollen die Worte „Scheiß Afghane“ in Richtung von Amiri gefallen sein. Dessen Eltern waren in den 80er Jahren aus Afghanistan nach Ludwigshafen gekommen. Der Fall steht exemplarisch für eine Kultur des Wegschauens und Abstreitens im deutschen Fußball, wenn es um Rassismus geht: Denn obwohl sich Hübner bei Amiri für seine Beleidigungen in der Kabine entschuldigt hatte, behauptete Unions Manager Oliver Ruhnert: „Er hat sich so nicht geäußert.“ Pippi Langstrumpf würde über ein solches Verhalten nur den Kopf schütteln.

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dpa
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