Konsequenter ahnden

Peter W. Ragge zur Gewalt gegen Einsatzkräfte

Von 
Peter W. Ragge
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War er unter Drogen, betrunken oder einfach nur in Eile und wütend, dass ihm da die Feuerwehr plötzlich den Weg versperrte? Schon im Juli haben die Menschen gerätselt, was einen Mann dazu bringt, so unbeherrscht mit Vollgas auf Einsatzkräfte zuzurasen. Gut, dass das jetzt in einem öffentlichen Gerichtsverfahren erörtert wird.

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Schon die Staatsanwaltschaft hat ein versuchtes Tötungsdelikt verneint – obwohl hier sehr wohl und ganz konkret das Leben von Menschen gefährdet war, die helfen und für Sicherheit sorgen wollen. Was bleibt ist ein äußerst waghalsiges Fahrmanöver, das für Feuerwehrleute, Polizisten und – dann auf der Flucht – auch für andere Verkehrsteilnehmer schwere Verletzungen, ja den Tod hätte bedeuten können.

Jenseits der juristischen Würdigung dieses Einzelfalls, die letztlich das Gericht vornehmen muss, hat der Fall aber die Aufmerksamkeit auf ein generelles Problem gelenkt. Die Gewalt gegen Polizisten und Rettungskräfte nimmt seit Jahren zu, noch mehr aber die Aggressionen und Provokationen unterhalb der Strafbarkeitsschwelle. Die Uniform nötigt bestimmten Bevölkerungsgruppen keinen Respekt mehr ab, und das Blaulicht sichert nicht mehr automatisch freie Bahn, wenn manche Egoisten es doch gerade selbst eilig haben. Selbst Sanitäter werden nicht als rettende Helfer, sondern als Störer, ja Gegner wahrgenommen, sobald sie eine Straße blockieren oder filmende Gaffer zurückweisen. Hier wird es Zeit für eine viel konsequentere Sanktionierung von allen Angriffen auf Einsatzkräfte. Dass der Vorfall auf der Südtangente öffentlich verhandelt wird, könnte da vielleicht auch abschreckend wirken.

Redaktion Chefreporter