Klarheit bei Corona-Beschluss nötig

Manfred Loimeier verlangt eine tragfähige Corona-Agenda

Von 
Manfred Loimeier
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Bitte kein Zaudern, sondern einen klaren und mindestens mittelfristig verbindlichen Beschluss. Wenn Bund und Länder am Dienstag über die Verlängerung des Lockdowns diskutieren, dann bringt eine möglicherweise wieder nur auf 14 Tage befristete Ausweitung: nichts.

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Derlei kurze und letztlich wenig erfolgreiche Shutdown-Intervalle bringen Gastronomen, Dienstleister oder Einzelhändler nur weiter in die Bredouille. Denn sie müssen wieder und wieder ihre Mitarbeiter auf Abruf bereithalten, sie gegebenenfalls aus Kurzarbeit oder Urlauben zurückholen, die Küchen vorsichtshalber anwerfen, Lebensmittel und Getränke vorrätig halten – um dann doch wieder alles runterzufahren, wenn Maßnahmen doch nicht beendet, sondern erneut nur kurzfristig verlängert werden.

Wenn also ein weiterer Lockdown beschlossen wird, dann bitte gleich richtig wirksam und wenn nötig eben bis Ende Februar oder Mitte März. Auf jeden Fall für einen Zeitraum, der es lohnt, tragfähige Überbrückungskonzepte zu erarbeiten statt nur halbherzige Übergangslösungen. Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Kindergärten, Kitas, Schulen, Eltern und Schüler brauchen verlässliche Planungen und kein Mal-so-mal-so-Verordnungsdurcheinander.

Und im selben Atemzug sollte dargelegt werden, wie die entsprechenden Hilfsprogramme aussehen. Wer kann wann mit konkret welcher Unterstützung rechnen? Statt sich also im Kleinklein der Alltagsregelungen zu verlieren, braucht Deutschland eine Perspektive. Nicht nur, wie es im Land während Corona, sondern auch, wie es nach dem erhofften und angestrebten Abklingen der Pandemie weitergeht. Ist womöglich, zumindest in Grundschulen, ein zusätzliches Schuljahr erforderlich, um entgangenen, grundlegenden Lernstoff sicher zu vermitteln?

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Und wie wollen wir mit den seelischen Folgen des Lockdowns umgehen? Gerade Jugendliche, für die der Austausch mit Gleichaltrigen in ihrer Persönlichkeitsbildung immens wichtig ist, müssen derzeit in gerade monadischer Vereinsamung leben. Was macht das mit den Betroffenen, wenn menschliche Verständigung notgedrungen auf digitale Formate und den allerengsten Familienkreis begrenzt ist? Es scheint ja offensichtlich, dass auch die psychischen Spätfolgen dieser Pandemie nicht einfach so nebenher werden bewältigt werden können – zumindest nicht von allen Betroffenen. Was es also vor allem braucht: weiter zu denken als nur bis zum nächsten nicht haltbaren Verfallsdatum.

Redaktion Geschäftsführender Redakteur und Mitglied der Chefredaktion