Karten werden neu gemischt

Steffen Mack zur Mannheimer Liste bei der Landtagswahl

Von 
Steffen Mack
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Das politische Geschäft ist so schnelllebig geworden, dass mittelfristige Prognosen so zuverlässig sind wie Kaffeesatzleserei. Das gilt nun besonders für die Corona-Auswirkungen. Keiner kann seriös abschätzen, ob der Höhenflug der Bundes-CDU bis zur baden-württembergischen Landtagswahl in zehn Monaten anhält. Oder ob ihre Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann eher von Eltern abgestraft wird, die der Kultusministerin Kita- und Schulschließungen verübeln.

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Insofern ist auch müßig zu spekulieren, inwieweit das Kalkül der Mannheimer Liste aufgeht, reichlich Stimmen aus dem konservativen Bürgertum abzuschöpfen. Dass es die Freien Wähler in den Stuttgarter Landtag schaffen, scheint zwar recht unwahrscheinlich. Ausgeschlossen ist es aber nicht. Und selbst wenn sie nur wenige Prozente bekommen: Die werden dann hauptsächlich CDU und FDP definitiv fehlen. Je nachdem, wo man politisch steht, ist das eine gute oder schlechte Nachricht.

Spannung verspricht zudem die verstärkte Konkurrenz in den beiden Mannheimer Wahlkreisen. Besonders im Norden, wo der frühere Sozialdemokrat Roland Weiß auch als Freie-Wähler-Kandidat von seiner Popularität profitieren dürfte. Hier gab es schon 2016 ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das AfD-Mann Rüdiger Klos knapp vor SPD und Grünen gewann. Dies wird ihm – das lässt sich immerhin voraussagen – kein zweites Mal gelingen. Der mit Klos zutiefst zerstrittene Kreisverband will ihn nicht mehr aufstellen, und von 23 Prozent kann die Mannheimer AfD ohnehin nicht mal mehr träumen.

Für das Direktmandat dürfte es bei Weiß wiederum kaum reichen. Aber mit seiner Kandidatur werden die Karten für alle neu gemischt. Das gilt ebenso bei Christiane Fuchs oder Wolfgang Taubert im Süden. Auch ohne Siegchancen sind beide bekannt genug, anderen Parteien einige Stimmen wegzunehmen. Während diesen Wahlkreis letztes Mal der später verstorbene Grüne Wolfgang Raufelder haushoch gewann, wird es im nächsten März garantiert enger zugehen.

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Auch wenn die Haupttriebfeder persönlicher Ehrgeiz sein mag: Dass die Mannheimer-Liste-Vertreter ihren eisernen Grundsatz über Bord werfen und erstmals bei einer Landtagswahl antreten, ist verständlich. Heute wird im Gemeinderat kaum noch etwas entschieden, das seinen Ausgangspunkt nicht in Stuttgart, Berlin oder Brüssel hat. Verständlich, dass die Freien Wähler dort mitreden wollen. Ob sie dabei gewinnbringend Einfluss nehmen könnten, darf jeder Wahlberechtigte für sich entscheiden.

Redaktion Steffen Mack schreibt als Reporter über Mannheimer Themen