Kommentar

Investition in Julian Nagelsmann

Von 
Alexander Müller
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An seinem Karriereziel hat Julian Nagelsmann nie einen Zweifel gelassen. Irgendwann wolle er einen richtig großen Verein trainieren, sagte er vor drei Jahren: „Und der FC Bayern steht da noch ein bisschen über allen anderen.“ Sein Sehnsuchtsziel München könnte der mit 33 Jahren immer noch sehr junge Fußballlehrer nun schon früher als erwartet erreichen. Offenbar ist der FC Bayern bereit, eine Ablöse in Höhe von 30 Millionen Euro an Nagelsmanns aktuellen Arbeitgeber RB Leipzig zu überweisen, damit der frühere Hoffenheimer in der nächsten Saison die Nachfolge von Hansi Flick antritt.

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30 Millionen Ablöse für Nagelsmann?

Veröffentlicht
Von
Christian Kunz, Frank Kastner
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Das wäre eine außergewöhnliche Summe – für einen Trainer, und auch in der Corona-Krise mit ihren wirtschaftlichen Verwerfungen. Das Münchner Werben um Nagelsmann untermauert einen großen Trend im europäischen Spitzenfußball: der immens gestiegene Stellenwert der absoluten Top-Trainer. Vorreiter ist dabei die britische Premier League, in der Ausnahmeerscheinungen wie Pep Guardiola, Jürgen Klopp oder seit jüngstem auch Thomas Tuchel das viele Geld in sportlichen Erfolg verwandeln. Von seinen Fähigkeiten gehört Nagelsmann unbestritten bereits in diesen elitären Zirkel, nur an der Erfahrung mangelt es ihm noch. Die letzte Stufe der Autorität wird auf diesem exklusiven Niveau immer noch über die Zahl der gewonnenen Titel definiert. Und da kann Nagelsmann bisher nur die deutsche A-Jugend-Meisterschaft mit Hoffenheim 2014 aufweisen.

Sein Karriereplan sah deshalb auch vor, mit dem Schritt nach München zu warten, bis er sich anderswo die nötigen Meriten verdient hat. Dass es nun anders kommen könnte, hängt mit der Entscheidung von Hansi Flick zusammen, die Bayern trotz laufenden Vertrags am Saisonende zu verlassen. Diese unerwartete Entwicklung hat die Führung des Rekordmeisters auf dem falschen Fuß erwischt – und Nagelsmann ist zweifellos die beste Lösung mit Fantasie für die Zukunft, die der Trainermarkt zurzeit hergibt.

30 Millionen Euro wären zweifelsohne viel Geld, aber in Relation zu der Bedeutung, die den wenigen absoluten Top-Trainern mittlerweile zukommt, eine nachvollziehbare Investition. Zum Vergleich: Für Flügelstürmer Leroy Sané überwiesen die Bayern vor der Saison 45 Millionen Euro an Manchester City.

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Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB