Homeoffice-Regelung: Eine halbgare Verordnung

Von 
Frank Schumann
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Hubertus Heil mag das Homeoffice – aber das Verhältnis ist eher kompliziert. Erst scheiterte der Arbeitsminister mit seinem Vorhaben, einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice einzuführen, und nun sind auch seine am Mittwoch verkündeten Corona-Regeln nicht gerade der große Wurf. Im Kern krankt die Verordnung des Ministers daran, dass nach wie vor der Chef entscheidet, ob zuhause gearbeitet wird. Denn er definiert die „betrieblichen Gegebenheiten“, die für oder eben gegen Homeoffice sprechen. Zudem ignoriert Heil, dass Beschäftigte in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Arbeitgeber stehen. Gerade in der wirtschaftlich unsicheren Corona-Zeit wird kein Mitarbeiter fürs Homeoffice einen Konflikt lostreten, wenn er befürchten muss, dafür beim nächsten Stellenabbau als Erster gehen zu müssen.

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Dass die Arbeitgeber sich nun vor einem „Bürokratiemonster“ fürchten, ist das übliche Abwehr-argument bei allen staatlichen Eingriffen. Berechtigt ist dagegen der Verweis auf die unternehmerische Selbstbestimmung. Statt auf eine letztlich halbgare Verordnung hätte Minister Heil auf ein bewährtes Instrument zurückgreifen können: die betriebliche Mitbestimmung. Unternehmen und Betriebsräte kennen die Lage vor Ort, sie eint das Interesse an einer sicheren wirtschaftlichen Zukunft und dementsprechend auch an der Vermeidung von Corona-Infektionen.

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