Hohe Erwartungen

Thorsten Langscheid über die Nachfolge von Felicitas Kubala

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Thorsten Langscheid
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Mannheims erste grüne Bürgermeisterin hätte gern weitergemacht, die Grünen lehnen eine zweite Amtszeit der 64-jährigen Erzieherin und Betriebswirtin Felicitas Kubala aus Berlin indessen dankend ab. Gesucht wird nun eine Persönlichkeit, die im Mannheimer Rathaus künftig „wichtige Impulse für den Umwelt-, Natur- und Klimaschutz sowie die damit verbundene Verkehrswende“ setzt. Das liest sich nicht gerade so, als wäre die Gemeinderatsfraktion mit der Arbeit ihrer Bürgermeisterin rundum zufrieden. Was ist da los?

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Bereits nach drei Wochen im Amt, Ende Januar 2013, mitten im heftigen innerparteilichen Streit der Grünen um die Bundesgartenschau und Eingriffe in das Landschaftsschutzgebiet Feudenheimer Au, war Kubala mit einem erstaunlichen Statement aufgefallen: „Meine Mitarbeiter und ich garantieren für den Landschaftsschutz. Punkt.“ Dass das Regierungspräsidium Karlsruhe rund sieben Jahre später, Ende Januar 2020, in genau jenem Landschaftsschutzgebiet dafür sorgen musste, dass die Stadt bereits begonnene Bauarbeiten stoppen lässt, beschreibt einen nicht unwesentlichen Aspekt des Wirkens der Umweltbürgermeisterin. Von Anfang an waren an sie hohe, vielleicht auch zu hohe Erwartungen geknüpft worden. „Wir hätten uns gerade beim Umwelt- und Naturschutz mehr Impulse gewünscht“, heißt es aus dem Feudenheimer Ortsverband der Grünen. Die wenig ausgeprägte Zukunftsorientierung der Bürgermeisterin hat in der Ratsfraktion am Ende wohl dafür gesorgt, dass man nicht mehr mit der Verwaltungsfachfrau weitermachen wollte.

Kritik an ihrem oft missglückten Auftreten und an ihrer mangelnden Bereitschaft, auf Bürger zuzugehen, gab es innerhalb und außerhalb der Partei anfangs zwar jede Menge. Doch mit der Zeit gewöhnte man sich gut aneinander und arbeitete in vielen Bereichen bestens zusammen – so ist es beispielsweise aus den Ortsverbänden in der Neckarstadt, im Mannheimer Norden und in Neckarau zu hören. Zudem hat sich Felicitas Kubala im Rathaus viel Anerkennung verdient, weil sie das Umwelt-Dezernat überhaupt erst aufgebaut und dort schwierige organisatorische Aufgaben gemeistert hat – zum Beispiel die Integration so verschiedener Fachbereiche wie Müllabfuhr und Tiefbau zum „Stadtraumservice“.

Auch wenn der Kubala-Abgang nun nach einem Rausschmiss erster Klasse aussieht – es sind große Schuhe, in die ein Nachfolger von Mannheims erster grüner Bürgermeisterin ab 2021 schlüpfen muss.

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Redaktion schreibt als Reporter über Mannheimer Themen