Groteske Wende

Von 
Marc Stevermüer
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Wie riesig das königsblaue Chaos und auch die Verzweiflung sind, lässt sich eigentlich kaum in Worte fassen, dann aber doch anhand eines einzigen Beispiels sehr gut erklären: Die erneute Begnadigung des schon mehrfach suspendierten Mittelfeldspielers Nabil Bentaleb. Der Algerier darf wieder mit den Schalker Fußball-Profis trainieren, auch eine Rückkehr in den Spieltagskader wird in Aussicht gestellt. Man fragt sich, ob bald die Ernennung zum Kapitän und auch die Vertragsverlängerung folgen. Ausschließen sollte man das lieber nicht. Beim Tabellenletzten scheint in dieser Saison schlichtweg alles möglich. Auch das Unvorstellbare.

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Dabei geht es gar nicht mal darum, ob Bentaleb gute arbeitsrechtliche Gründe auf seiner Seite hat oder ob er der Mannschaft wirklich sportlich helfen kann. Beim Blick auf das große Ganze spielt es ja noch nicht einmal mehr eine übergeordnete Rolle, wie gut oder schlecht Schalke spielt, sondern was dieser einst so stolze Traditionsverein darstellt und ausstrahlt, was aus ihm geworden ist.

Glaubwürdigkeit verloren

Denn die Königsblauen werden mit der zuvor mehrfach ausgeschlossenen Rückkehr Bentalebs und der nun verkündeten grotesken Rolle rückwärts endgültig zur großen Lachnummer. Oder anders ausgedrückt: Nachdem der Club nicht nur seine Liquidität und Identität verloren hat, geht jetzt auch noch die Glaubwürdigkeit vollends flöten. In der Führung fehlt ganz offenbar das Gespür für die Seele dieses emotionalen Malochervereins, der vor dem Abstieg in die 2. Liga steht.

Ein Neustart im Unterhaus ist in finanzieller Hinsicht zwar nie gesund, könnte aber auch als Erlösung nach all den Qualen der jüngeren Vergangenheit gesehen werden. Bis dahin bleibt aber vorerst das diffuse Gefühl, dass dieser Verein im schlimmsten Fall noch nicht einmal würdevoll absteigen kann.

Redaktion Handall-Reporter, Rhein-Neckar Löwen und Nationalmannschaft