Glückwunsch, Herr Minister!

Von 
Stephan Alfter
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Diesen Satz muss man sich mal ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen: „Eine dritte Rheinquerung wäre wünschenswert.“ Fast möchte man dem Mann, der sich am Dienstag so zitieren ließ, zu dieser Einsicht herzlich gratulieren. Volker Wissing, als Verkehrsminister immerhin oberster Herr über die Straßen in Rheinland-Pfalz, outet sich damit als Meister der Sprechblase. Mehr Konjunktiv geht wirklich nicht. Als er noch kein Verkehrsminister war, tourte er als FDP-Politiker Volker Wissing durch das Land zwischen Rhein und Reben und forderte gute Rahmenbedingungen für die Unternehmen in der Metropolregion. Man muss ihm zugute halten, dass er für die desaströse Situation an den zwei Hochstraßen nicht ursprünglich verantwortlich zeichnet. Gleichzeitig muss man fragen dürfen: Welcher neue Impuls kam denn seit 2016 aus dem von der FDP zurückgewonnenen Ministerium im Hinblick auf die sich zuspitzende Verkehrslage entlang des Rheins?

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„Eine dritte Rheinquerung wäre wünschenswert“ – für Leute, die morgens ewig zu ihrem Arbeitsplatz brauchen, klingt das wie blanker Hohn. Als Argument aus Mainz hört man in der Hochstraßen-Problematik allzu oft: Die Baulast trage die Stadt Ludwigshafen. Das ist richtig, aber a) ist die Chemiestadt damit sichtbar überfordert und b) ist die Region größer als Ludwigshafen.

Alle an einen Tisch

Deshalb ist es die Aufgabe des Ministers, endlich alle relevanten Kräfte an einen Tisch zu holen und das große Paket namens Mobilitätspakt zu schnüren – gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg, mit den Verbänden und der Wirtschaft. Dabei müssen Denkverbote tabu sein und Chancen sichtbar werden. Auch eine Rheinbrücke bei Altrip oder ein Tunnel unter dem Fluss hindurch sind Alternativen, über die (wieder) gesprochen werden muss – ohne dabei die Verkehrswende und neue Arten der Fortbewegung zu vergessen. Es ist die vornehmste Aufgabe von Volker Wissing, auch auf die Altriper zuzugehen. Weil es nämlich nicht sein kann, dass eine Gemeinde hustet und eine Region deshalb eine Lungenentzündung bekommt. Jeder muss einen Teil der Last tragen, wenn ein Wirtschaftsraum seinen Status als eines der zehn erfolgreichsten Ballungsgebiete in Europa nicht verlieren will. Klar ist indessen: Die akute Problematik wird durch eine weitere Rheinbrücke nicht gelöst, aber Fehler aus der Vergangenheit sollte man in Zukunft nicht wiederholen. Eine weitere Rheinquerung ist also nicht wünschenswert, sondern ein Muss.

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Veröffentlicht
Von
Bernhard Zinke
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Redaktion Reporter in der Metropolregion Rhein-Neckar