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Kommentar Gefährliches Versagen

Alexander Müller über die UEFA-Strafe gegen Frankfurt

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Alexander Müller
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Wenn es um Platzstürme und das Abbrennen von Pyrotechnik geht, fackelt die UEFA nicht lange. Für den nicht erlaubten - aber emotional nachvollziehbaren - Freudenausbruch seiner Fans nach dem Europa-League-Halbfinale gegen West Ham United wurde Eintracht Frankfurt mit einem Geisterspiel auf Bewährung und 80 000 Euro belegt. Das ist eine sehr harte Entscheidung, die aber niemanden überrascht, der die gnadenlose Politik des europäischen Fußballverbandes kennt, wenn es um tatsächliche oder vermeintliche Vergehen von Fans handelt.

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Leider kann sich die UEFA nicht selbst bestrafen. Uns würden nach den Vorkommnissen der vergangenen Wochen einige naheliegende Sanktionen einfallen: zum Beispiel ein dreijähriges Verbot, große Fußball-Wettbewerbe auszurichten. Mit viel Milde zur Bewährung ausgesetzt. Denn die UEFA hat zuletzt erheblichen Anlass zur Annahme gegeben, dass sie mit der Veranstaltung und Organisation von Endspielen komplett überfordert ist. Beim Europa-League-Finale in Sevilla mussten Tausende Fans dürsten, weil es schon kurz nach dem Anpfiff im Stadion keine Getränke mehr gab. Die Verkaufskiosks wurden einfach geschlossen. Kein Wasser, bei 35 Grad in Andalusien, über fast drei Stunden. Das war sicher gesundheitsgefährdender als der Platzsturm in Frankfurt.

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Beim Champions-League-Endspiel in Paris drohte dem Fußball sogar eine Katastrophe, die viele Opfer hätte kosten können. Eine dilettantische Organisation der ausrichtenden UEFA am Stade de France sorgte dafür, dass laut einer Rekonstruktion der Ereignisse englischer Medien über 30 000 Menschen durch einen Eingang mit angeblich nur fünf Ordnern geschleust werden sollten. Dass es zu keiner verheerenden Massenpanik kam, war nur dem besonnenen Verhalten vieler Liverpool-Fans zu verdanken. Ein paar Tage später entschuldigte sich die UEFA lauwarm für ihr gefährliches Versagen und kündigte eine Untersuchung des Fiaskos an. Die Mitteilung las sich ein wenig so, als seien im VIP-Bereich zu wenig Häppchen verfügbar gewesen. Nicht, dass akut Menschenleben in Gefahr waren.

Die Fußball-Verbände gerieren sich gerne streng und unnachgiebig, wenn es um angebliche Fehler anderer geht. Das führt bei eigenen Versäumnissen aber zu einem gewaltigen Legitimationsproblem - siehe UEFA, siehe aber auch DFB. Man darf gespannt sein, mit welcher Begründung der deutsche Verband künftig die Vereine bei Pyrotechnik-Vergehen bestraft, wo er es als Veranstalter doch selbst nicht verhindern konnte, dass beim Pokal-Finale Freiburg gegen Leipzig beide Fanblöcke lichterloh brannten.

Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB

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