Gedämpfter Jubel

Alexander Müller zum Sieg des FC Bayern bei der Club-WM

Von 
Alexander Müller
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Wenn Nebenschauplätze eine starke sportliche Leistung überschatten, ist das nie eine gute Nachricht. Der FC Bayern hat mit dem Gewinn der FIFA-Club-WM – älteren Semestern noch geläufig als Weltpokal – eine außergewöhnliche Saison gekrönt. Dass der Münchner Jubel dennoch gedämpft ausfiel, hatte mit dem überschaubaren Stellenwert des vom Weltverband aufgeblähten Turniers sowie der bizarren Atmosphäre im Scheich-Staat Katar zu tun – und mit Entwicklungen abseits des Rasens.

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Eine private Tragödie im Umfeld von Jérôme Boateng drückte auf die Stimmung im Team. Die Corona-Infektion von Thomas Müller unterstrich zudem ein weiteres Mal mit Nachdruck, auf welch schmalem Grat sich der Fußball in diesen Tagen bewegt. Statt endlich alle internationalen Spiele pausieren zu lassen, bis die Corona-Zahlen wieder auf ein erträgliches Niveau gesunken sind, verspielen die Verbände mit ihrem Starrsinn und Verlegungsunsinn den letzten Funken Glaubwürdigkeit. Katar oder Budapest, Warschau oder Villareal – Hauptsache, die Show geht irgendwie weiter.

Da fügt sich der unverschämte Vorstoß von Karl-Heinz Rummenigge nur ins schlimme Gesamtbild. Der Bayern-Vorstandschef hat vorgeschlagen, Fußball-Profis Vorrechte bei der Corona-Impfung einzuräumen. Um in der restlichen Bevölkerung für den wertvollen Piks zu werben, so Rummenigges Argumentation. Das wohlverdiente verheerende Echo ließ nicht lange auf sich warten. Wer sich so angreifbar macht und das Image einer völlig abgehobenen Fußballerkaste bedient, muss auch mit dem Spott aus den sozialen Netzwerken leben – wie er aus folgendem Beitrag spricht: „Sechs Titel, aber immer noch Impfgruppe 4. Unterm Strich eine enttäuschende Saison für den FC Bayern.“

Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB