Freundschaft besteht weiter

Von 
Till Börner
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Normalerweise verbindet eine Brücke zwei Orte miteinander – normal ist in der Corona-Krise aber schon lange nichts mehr. Deshalb ist die Brücke zwischen dem deutschen Scheibenhardt und dem französischen Scheibenhard mit Absperrbändern und Schranken versehen. Die Pandemie trennt somit, was eigentlich längst zusammengehört. Für die beiden Ortschaften ist die gesperrte Grenze ein Problem, aber kein Grund, um an der deutsch-französischen Beziehung zu zweifeln.

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Mit dem Wegfall der Zoll- und Personenkontrollen vor 25 Jahren verschwamm die Grenze zwischen der südlichen Pfalz und dem nördlichen Elsass zunehmend. Scheibenharder passieren die Lauter, um in Deutschland zu arbeiten. Scheibenhardter überqueren die Brücke, um Wein und frisches Baguette zum Abendessen einzukaufen.

Die Verzahnung der beiden Orte ist ein Musterbeispiel für gelungene europäische Integration – das gemeinsame Dorffest und Seniorentreffs zeigen, dass die enge Verflechtung nicht nur ökonomische Bausteine besitzt. Auch dass die Grenzbrücke nur mit leichtem Absperrmaterial und nicht etwa mit massiven Betonpollern verbarrikadiert ist, hat einen einfachen Grund: Im Ernstfall muss die jeweilige Feuerwehr schnellstmöglich die Grenze passieren können, um den Kollegen im Nachbarort Amtshilfe zu leisten – eine Vereinbarung, die auch in Coronazeiten gültig ist.

Die Pandemie und ihre Auswirkungen werden auf beiden Seiten der Brücke einen wirtschaftlichen Schaden hinterlassen. Das Verhältnis der beiden Dörfer zueinander wird die Corona-Krise aber nicht zerstören können, dafür sind Scheibenhardt und Scheibenhard im vergangenen Vierteljahrhundert zu eng zusammengewachsen.

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