Frage des Respekts

Anja Görlitz zur Kritik am Beschluss-Tempo

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Anja Görlitz
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Die Heddesheimer können sich freuen: Sie bekommen zusätzliche Kindergartenplätze und obendrein ein innovatives Betreuungsangebot in einem modernen, nachhaltigen Gebäude. Grund zum Jubeln gibt auch der Standort. Von kleineren Makeln wie dem saisonalen Parkplatzdruck abgesehen, ist er perfekt gelegen: in Nachbarschaft zu Sportanlagen und -vereinen, die im neuen Modell eine tragende Rolle spielen sollen. Was will man mehr? Völlig zu Recht hat der Gemeinderat die Standortfrage also einstimmig entscheiden.

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Doch gerade bei so viel Euphorie für eine Sache ist es nie verkehrt, mal kurz innezuhalten. Immerhin geht es um eine Entscheidung auf Jahrzehnte und um Investitionen in – noch nicht bezifferter – Millionenhöhe. Kommt es da tatsächlich auf vier Wochen an? Wird wider Erwarten doch nicht alles toll, werden sich die Räte fragen lassen müssen: „Habt ihr in Ruhe abgewogen? Habt ihr Alternativen geprüft? Wie lief das eigentlich damals?“

Insofern ist nachvollziehbar, dass sich Grünen-Fraktionschef Günther Heinisch mehr Zeit zur Meinungsbildung gewünscht hätte. Die Standort-Studie gab es schließlich erst wenige Tage vor der Sitzung, und konkrete Alternativen zum favorisierten Bauplatz wurden zuvor nie benannt. Wie also hätte man sich darüber eine Meinung bilden sollen?

Die Heddesheimer Räte rudern seit Jahren bei hoher Schlagzahl, die ihr zielstrebiger Bürgermeister vorgibt. Kritiker sagen: „Die nicken alles ab.“ Ich finde: Es zeugt vor allem von Vertrauen in und Respekt vor der Arbeit der Verwaltung. Überstrapazieren sollte man das aber besser nicht. Die Räte wollen schließlich auch respektiert werden.

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Redaktion Redakteurin Neckar-Bergstraße