Kommentar - Jörg Quoos findet, dass bei den Schnelltests rasch eine verlässliche Lösung her muss – auch wenn es den Steuerzahler teuer zu stehen kommt Flott handeln

Jörg Quoos findet, dass bei den Schnelltests rasch eine verlässliche Lösung her muss – auch wenn es den Steuerzahler teuer zu stehen kommt

Von 
Jörg Quoos
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Zäh wie Brei ziehen sich die Wochen im Corona-Lockdown hin – und neben der Wirtschaft leidet auch das Gemüt der Menschen. Endlich wieder reisen. Endlich wieder Freunde treffen. Endlich wieder feiern. Diese Wünsche werden auch beim geduldigsten Staatsbürger immer stärker.

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Nach Monaten bewundernswerter Disziplin scheint die Stimmung in der Bevölkerung langsam zu kippen, das deuten Umfragen an. Dahergeplapperte und wissenschaftlich unbelegte Sätze wie „Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben“, wie am Wochenende von Sachsens Regierungschef Kretschmer, machen die Stimmung nicht besser. Im Gegenteil.

Es ist menschlich, dass die Geduld langsam Grenzen erreicht. Und daher ist es richtig und wichtig, wenn jede Idee für einen Ausweg ernsthaft geprüft wird. Ein solcher Weg ist der einfache und zuverlässige Massenschnelltest – darin sind sich viele Wissenschaftler einig. Mit preiswerten oder kostenfreien Tests – beispielsweise vor der Arbeit oder der Schule angewendet – könnten Risiken minimiert und neue Freiheiten zugelassen werden.

Voraussetzung ist allerdings, dass solche Schnelltests für jedermann auch rasch zugelassen werden und in großen Mengen preiswert zur Verfügung stehen.

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Das kleine Land Israel kann mit den Tests schon viele Spielräume erlauben, die in Deutschland noch undenkbar sind. In Österreich verkaufen Apotheken schon seit Wochen einen Spucktest, der sofort ein Ergebnis liefert. Und was passiert in Deutschland? Hier wird erst mal weiter „geprüft“, so die Bundeskanzlerin und ihr Gesundheitsminister. Das Ende der Prüfung ist dabei offen.

So etwas ist frustrierend und erinnert fatal an die Bummeligkeit, die erst für Maskenengpässe und jetzt für die Impfstoffpleite gesorgt hat. Es wäre schön, wenn Bund und Länder beim Thema Schnelltest aus Fehlern lernen würden und diesmal richtig flott handeln würden. Das heißt im konkreten Fall: Schnell riesige Kontingente verbindlich bestellen, die Entwicklung verbesserter Tests großzügig fördern und gegebenenfalls die Verteilung unterstützen. Auch wenn das teuer für den Steuerzahler wäre: Alles, was die Einschränkung fundamentaler Grundrechte zurücknimmt, muss erwogen und am Ende auch genutzt werden. Und preiswerter, als mit Milliarden Euro die Folgekosten abzufedern, wäre das allemal.

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Der Lockdown darf nicht die einzige Maßnahme bleiben, um der Pandemie Herr zu werden. Und nur darauf zu warten, dass auch der letzte Deutsche geimpft ist, ist kein guter Plan. So viele Monate wird die Politik den steigenden Druck nicht aushalten. Und auch Handel, Gastronomie und Kulturbetriebe werden das nicht schaffen. Deshalb muss rasch ein Konzept her, das möglichst vielen negativ Getesteten und den Geimpften wieder alle Freiheiten gewährt.

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Wie es funktionieren kann, haben Marburger Forscher in einem „Plan B“ dargelegt. Man würde sich wünschen, dass auch diese Experten einmal das Ohr von Bundeskanzlerin Angela Merkel finden. Genau für einen solchen Plan der kontrollierten Öffnung für Gesunde braucht man Millionen dieser Tests, daher ist das Zögern der Bundesregierung bei der Bestellung so unverständlich.

Als hätte man aus der verunglückten Impfstoffbeschaffung in Europa nichts gelernt. Sogar wenn mehrere dieser Tests noch im Prüfverfahren stecken, könnte durchaus auf Verdacht bestellt werden. Was bei der Impfstoffbestellung sinnvoll gewesen wäre, kann bei den Schnelltests nicht falsch sein. „Geschwind gewinnt“, sagt ein altes deutsches Sprichwort. Man möchte es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mal an die Berliner Bürotür nageln.

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