Erwartbares Erwachen

Marc Stevermüer zur Krise des FC Liverpool

Von 
Marc Stevermüer
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Eigentlich ist es ja kaum vorstellbar, dass es für Jürgen Klopp und den FC Liverpool mal nicht nach oben geht. Wobei sich da ja die Frage stellt, wo es überhaupt noch hätte hingehen sollen? Champions-League-Sieger 2019, Meister in der Premier League 2020. Etwas Größeres gibt es nicht. Und wenn wir ehrlich sind: Solch eine Fabelsaison wie die vergangene lässt sich kaum wiederholen. Zumal es gute Gründe für das aktuelle Tief gibt.

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Da wären zunächst einmal die offensichtlichen Argumente. Die Premier League ist die stärkste Liga der Welt. Kleine Schwächen haben in diesem Wettbewerb große Auswirkungen. Außerdem trifft der monatelange Ausfall von Weltklasse-Innenverteidiger Virgil van Dijk die Reds hart. Er fehlt als Führungsfigur, als Abwehrchef, als torgefährlicher Kopfballspieler bei Standards und in der Spieleröffnung. Der Niederländer ist unersetzbar. Und umso mehr fällt sein Fehlen ins Gewicht, wenn mit Joe Gomez und Joel Matip weitere Innenverteidiger verletzt passen müssen.

Mentale Müdigkeit

Wesentlich bedeutender als das Verletzungspech ist aber die mentale Ebene. 30 Jahre wartete der LFC auf die Meisterschaft. Mit Klopp scheiterte der Club 18/19 knapp, 19/20 gelang die Krönung. Im Prinzip befand sich die Mannschaft zwei Jahre in einem psychischen Ausnahmezustand, im ewigen Duell mit Manchester City trieben sich beide Teams an eine Grenze, die sie ohne einander nie erreicht hätten. Der FC Liverpool wurde zu einem Gierschlund, nur noch bestrebt, irgendwie diese Meisterschaft wieder an die Mersey zu holen. So etwas ist herausfordernd. Und anstrengend. Es macht müde im Kopf. Und man kann sich nur so ungefähr vorstellen, welch unfassbare Last von Team und Trainer nach dem Ende des Titel-Fluchs fielen.

Diese Besessenheit und Gier nach der endlich befriedigten Obsession weiter aufzubringen, ist schwierig, vielleicht sogar unmöglich. So richtig überraschend kommt die kleine Leistungsdelle deshalb nicht. Sie ist das erwartete Erwachen nach der Erlösung. Doch Klopp ist längst dabei, mit Transfers einen neuen Geist zu entfachen. Im Sommer 2020 kamen mit dem stark eingeschlagenen und momentan ebenfalls verletzten Diogo Jota sowie Thiago bereits zwei Asse. Auf die Abwehr-Problematik reagierte der LFC nun mit der Verpflichtung von Ozan Kabak. Wenn es vielleicht auch nicht mehr für die nationale Meisterschaft reicht, so bleiben die Reds ein Titelfavorit in der Champions League. Und der Henkelpott wäre nun wahrlich kein Trostpreis.

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Redaktion Handall-Reporter, Rhein-Neckar Löwen und Nationalmannschaft