Entscheidung in England

Alexander Müller zu Thomas Tuchels neuem Job bei Chelsea

Von 
Alexander Müller
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Thomas Tuchel, wer ist das eigentlich? Die britischen Sportjournalisten haben in den vergangenen Tagen versucht, sich dieser Frage anzunähern. Mit mitunter recht unterschiedlichen Ergebnissen. Die „Aura eines besonders schlaksigen Professors für Kulturantrophologie“ attestierte „The Athletic“ dem neuen Trainer des FC Chelsea, „Planet Football“ machte eine simple Gleichung auf: „Er ist wie José Mourinho minus das Ego.“

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Nur knapp einen Monat nach seinem ein wenig stillosen Weihnachtsrauswurf bei Paris St.-Germain ist Tuchel in der Liga angekommen, die für den Schwaben seit jeher seinem persönlichen Sehnsuchtsort glich. In England fällt die Entscheidung über seine Trainerkarriere: Bleibt Tuchel die ewige Verheißung, die sich trotz großer Anlagen immer ein wenig selbst im Weg steht? Oder führt der 47-Jährige Chelsea zurück zu altem Glanz, prägt in London eine erfolgreiche Ära und steigt damit in die Riege der ganz Großen seiner Zunft auf? Also in die Sphären von Pep Guardiola oder Jürgen Klopp, seinen künftigen Rivalen.

Chelsea ist dafür gleichzeitig ein sehr guter und ein sehr gefährlicher Club. Sehr gut, weil genügend Geld vorhanden ist und im Kader, zum Beispiel mit den deutschen Nationalspielern Kai Havertz und Timo Werner oder mit dem englischen Supertalent Callum Hudson-Odoi, viel Fantasie für die Zukunft steckt. Das Umfeld der West-Londoner ist allerdings für jeden Trainer anspruchsvoll, um es zurückhaltend zu formulieren. Die hohe Erwartungshaltung von Mäzen Roman Abramowitsch ist bekannt, und man kann sich auch eine angenehmere Ausgangslage vorstellen, als die Nachfolge von Chelsea-Ikone Frank Lampard antreten zu müssen.

Aber wer vom Scheich-Club PSG kommt, den kann so schnell nichts schocken. Wenn es dem überragenden Fußballlehrer „from Germany“ gelingt, aus Chelsea wieder eine europäische Top-Mannschaft zu formen, wird in ein paar Jahren auf der Insel niemand mehr fragen, wer dieser Thomas Tuchel eigentlich ist.

Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB