Emotionale Zerreißprobe

Von 
Peter Reinhardt
Lesedauer: 

Zumindest in der öffentlichen Debatte ist der Schulsektor wieder zur Normalität zurückgekehrt. Über die schrittweise Rückkehr zur Normalität an den Schulen und in den Kitas ist aber ein Chor mit vielen Stimmen zu hören, die sich teilweise widersprechen. Da sind die Eltern, die nach acht Wochen Heimunterricht und gleichzeitigem Homeoffice unter Stress stehen und sich ihr normales Leben sehnlichst zurückwünschen. Aber es gibt auch Lehrer, die wegen Vorerkrankungen und Alter zu den Risikogruppen zählen und deswegen nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehen.

AdUnit urban-intext1

Wie in einem Brennglas zeigen sich die Probleme in dem Protestbrief der Heidelberger Elternvertreter an Kultusministerin Susanne Eisenmann. Als „Schlag ins Gesicht“ kritisieren sie die schrittweise Öffnung der Grundschulen, zunächst für die Viertklässler und nach den Pfingstferien für die weiteren Klassen.

Schon die Wortwahl zeigt, wie sehr sich die Stimmung gedreht hat. Die Nerven liegen in vielen Haushalten blank. Aber das Coronavirus ist nicht plötzlich verschwunden. Will man in den Schulen den Infektionsschutz beherzigen, müssen die Klassen geteilt werden. Weil man weder die Räume noch die Zahl der Lehrer schlagartig verdoppeln kann, reicht die Kapazität höchstens für die Hälfte der Schüler im Präsenzunterricht. Natürlich hat das nichts mit der verlässlichen Grundschule zu tun, die den Eltern versprochen wurde, als es noch kein Virus gab.

Über die konkrete Verteilung des Unterrichts entscheidet nicht die Kultusministerin, sondern die Schule vor Ort. Wenn nur zehn oder ein wenig mehr Unterrichtsstunden pro Woche möglich sind, löst das natürlich kein Betreuungsproblem der Eltern. Da macht es keinen großen Unterschied, ob es täglich zwei Stunden sind oder größere Blöcke mit freien Tagen. Verlässlich ist das nicht und entsprechend unbefriedigend für die Eltern. Aber für diese Fragen sind die Schulen die Ansprechpartner und die Schulträger.

AdUnit urban-intext2

Trotzdem wird für Eisenmann der Frust der Eltern zu einem politischen Problem. Als Spitzenkandidatin der CDU bei der Landtagswahl in zehn Monaten kann sie massenhaften Ärger nicht gebrauchen. Schon bei der Kita-Öffnung hat sie in den vergangenen Tagen bei den Eltern Erwartungen geweckt, die sich vor Ort nicht erfüllen ließen. Bei den Schulen darf ihr das nicht noch einmal passieren. Je mehr der Konsens für die Schutzmaßnahmen sinkt, desto heikler und erklärungsbedürftiger wird die Situation an den Schulen.

Mehr zum Thema

Service Täglicher Themen-Newsletter "Coronavirus"

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Karte und Grafiken Coronavirus: Fallzahlen aus Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und Rhein-Neckar

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Das Wichtigste auf einen Blick Die aktuelle Corona-Lage im Liveblog

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Korrespondent Landespolitischer Korrespondent in Stuttgart

Thema : Coronavirus

  • Pandemie Gärtnereien, Gartenmärkte und Blumenläden dürfen ab 1. März öffnen

    Baden-Württemberg will ab nächsten Monat einige Geschäfte wieder öffnen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann kann sich auch vorstellen, dass sich wieder zwei Haushalte privat treffen dürfen.

    Mehr erfahren
  • Baden-Württemberg Erzieher und Lehrerinnen können sich ab sofort impfen lassen

    Es sollte für Kita-Beschäftigte und Lehrer eine frohe Botschaft sein: Baden-Württemberg macht für sie eine Impfung gegen das Coronavirus ab sofort möglich - früher als gedacht. Doch dann ruckelt es am Anfang - mal wieder.

    Mehr erfahren
  • Corona-Maßnahmen im Überblick Die neuen Bund-Länder-Beschlüsse vom 10. Februar

    Bund und Länder sehen in deutlich gesunkenen Ansteckungsraten viel erreicht im Kampf gegen Corona - aber noch keinen Anlass für Entwarnung. Denn neue Mutanten breiten sich aus. Die neuen Beschlüsse im Detail.

    Mehr erfahren