Ein klarer Plan muss her

Von 
Steffen Mack
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Es ist einfach nur frustrierend. Vor mehr als drei Monaten wurde das ganze Land in einen Lockdown geschickt – damals noch mit einem „light“ angehängt und der Aussicht auf Lockerung schon im Dezember. Wie es weiterging und -geht, ist bekannt. Wenn Angela Merkel am Mittwoch mit den Ministerpräsidenten das weitere Vorgehen bespricht, muss man mit großer Realitätsferne gesegnet sein, um auf ein rasches Ende der massiven Einschränkungen zu hoffen.

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Sicher, Lockerungen wären aktuell auch unverantwortlich. Die Corona-Zahlen sind zwar gesunken, aber noch nicht auf das verabredete Niveau. Und hinzugekommen ist die laut Experten leider sehr reale Gefahr, dass mutierte Virusvarianten wie Brandbeschleuniger wirken.

Generell steht die Politik indes vor dem Dilemma, dass in der Pandemie Schließen und Verbieten leichter ist als Öffnen und Erlauben. Würde man etwa die Kontaktbeschränkungen leicht lockern und Treffen zweier Paare für zulässig erklären, dürfte sich verständlicherweise das halbe Land sofort verabreden wollen.

Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass es nun ewig so weitergehen darf. Beispielsweise die nächtliche Ausgangssperre vielerorts – im Vorreiter Mannheim anfangs für zehn Tage angekündigt – ist nach mehr als zwei Monaten auch im psychologischen Bereich eine Zumutung.

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Wichtiger denn je ist jetzt, den Menschen nicht nur schlechte Nachrichten und unklare Aussichten zu präsentieren, sondern konkrete Perspektiven aufzuzeigen, was bei welchen Fallzahlen wann geschehen könnte. Dass als Erstes Schulen und Kindergärten wieder aufmachen sollen, ist mittlerweile zum Glück politischer Konsens. Wobei sich bei den Kitas auch eine Gerechtigkeitsfrage stellt: In manchen Kommunen nutzt inzwischen knapp die Hälfte der Eltern die Notbetreuung – was für die mit nicht als systemrelevant geltenden Berufen bitter sein muss.

Es spricht auch wenig dagegen, bei regional stark abweichenden Zahlen auch in unterschiedlichem Tempo zu öffnen. Zwar bestünde dann die Gefahr, dass Menschen etwa zum Einkaufen selbst über weite Strecken in andere Städte fahren. Aber das ließe sich anhand der Autokennzeichen ja relativ leicht stichprobenartig kontrollieren und abschreckend bestrafen.

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In jedem Fall sollte es am Mittwoch ein paar öffnungstechnische Signale geben, die Menschen wieder Hoffnung machen können. Wer nicht gerade Freude am notorischen Schwarzsehen hat, der hätte das derzeit vielleicht nötiger denn je.

Redaktion Steffen Mack schreibt als Reporter über Mannheimer Themen