Rolf Obertreis über die Verhandlungen mit der Lufthansa Ein gutes Geschäft

Von 
Rolf Obertreis
Lesedauer: 

Für die derzeitigen Lufthansa-Aktionäre ist es auf den ersten Blick eine bittere Pille, weil ihre Beteiligung verwässert und ihre Aktien damit noch weniger wert werden. Viel wichtiger aber ist: Mit dem Einstieg des Bundes, der stillen Beteiligung und dem Milliardenkredit der Staatsbank KfW ist das Überleben eines Unternehmens gesichert, das noch bis Ende Februar als sehr solide und bestens aufgestellt galt.

AdUnit urban-intext1

Die Corona-Pandemie hat das mit einem Schlag zunichtegemacht: fast alle Flugzeuge der Lufthansa am Boden, praktisch keine Passagiere mehr, fast nichts mehr zu tun für weltweit 138 000 Beschäftigte. Vorstandschef Carsten Spohr war schnell klar, dass es ohne Staatshilfe nicht gehen würde. Dass sich beide Seiten einigen wollen, ist eine gute und richtige Nachricht. Es wird geflogen werden, auch wenn es nach der Krise eine neue Normalität im Luftverkehr geben wird. Mit vermutlich weniger Flügen, weil Unternehmen weniger Geschäftsreisen verordnen werden als in der Vergangenheit.

Homeoffice und Video-Konferenzen haben sich in der Krise als taugliche Wege erwiesen. Trotzdem braucht die Weltwirtschaft die Luftfahrt, und die Menschen wollen auch wieder in den Urlaub fliegen. Die Welt muss verbunden bleiben.

Für die neue Normalität ist die Lufthansa trotz der aktuell dramatischen Lage gut aufgestellt, auch wenn es ein kleineres Unternehmen sein wird als noch im Februar, mit weniger Flugzeugen und vermutlich dann leider auch weniger Beschäftigten.

AdUnit urban-intext2

Die Staatshilfe und die 400 Millionen Euro für das Aktienpaket des Bundes wären dennoch gut angelegtes (Steuer)-Geld. Die Chancen, dass die Lufthansa gut und erfolgreich aus der Krise fliegt, stehen gut. Dann könnte es mit den Aktien des Bundes und damit dem Geld der Steuerzahler besser laufen als bei der Commerzbank. Das Aktienpaket von knapp 16 Prozent ist ein Verlustbringer. Bei einem Verkauf der Lufthansa-Papiere irgendwann in den nächsten Jahren, dürfte dagegen ein fetter Gewinn für den Staat abfallen.

Mehr zum Thema

Fluggesellschaft Ringen um Staatshilfen

Veröffentlicht
Von
Andreas Hoenig, Jörg Blank
Mehr erfahren

Korrespondent Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich für den Mannheimer Morgen und für andere wichtige Regionalzeitungen wie den Tagesspiegel/Berlin, die Badische Zeitung/Freiburg, die Südwest Presse/Ulm und den Münchener Merkur als Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. Banken, Europäische Zentralbank, Bundesbank, Börse und in Frankfurt ansässige Unternehmen wie Lufthansa und auch Verbände wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA zählen zu meinen Schwerpunkten. Daneben auch die Luftfahrt. Zudem befasse ich mich über die KfW Bankengruppe und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.