Kommentar Die WM als Bühne für Botschaften - auch für den DFB

Katar will die WM zur Selbstinszenierung missbrauchen. Doch auch alle andere Nationen haben die Chance, diese Bühne für ihre Botschaften zu nutzen, meint Marc Stevermüer-

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Marc Stevermüer
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Der Schaden ist seit Jahren angerichtet. Die Fußball-WM wird in Katar ausgetragen, weshalb es nach diesem erschütternden Sündenfall nur noch darum geht, das Beste aus der misslichen Situation zu machen. Das gilt auch für die deutsche Nationalmannschaft – und zwar in mehrfacher Hinsicht.

An oberster Stelle steht für die DFB-Auswahl der sportliche Erfolg, was schwierig genug wird. Denn die Kadernominierung zeigte die bekannten Schwächen. Es fehlen ein zentraler Stürmer von gehobener internationaler Klasse, ein Sechser mit richtigen Abräumerqualitäten und Außenverteidiger mit gehobenem Niveau für Offensive und Defensive. Dass Bundestrainer Hansi Flick in der Abwehr zudem auf den momentan stark spielenden Routinier Mats Hummels verzichtet und mit Youssoufa Moukoko einen 17-jährigen Angreifer mitnimmt, deutet darauf hin, dass er mit diesem Kader schon die Heim-EM 2024 im Blick hat.

In Summe führt das zu einer gewissen Unklarheit. Man weiß trotz der guten Form der Bayern-Stars noch nicht so genau, was man von dieser Mannschaft auf dem Feld erwarten darf. Sehr klar ist allerdings, was man vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) in der Wüste erwarten muss.

Katar will die WM zur Selbstinszenierung missbrauchen. Doch auch alle andere Nationen haben die Chance, diese Bühne für ihre Botschaften zu nutzen. Es ist wichtig, von nun an die Stimme zu erheben. Gerade der DFB und seine Funktionäre stehen dahingehend in der Pflicht. Und zwar mehr als die Spieler, die nichts dafür können, dass ihnen ein korruptes System vor zig Jahren eine WM in Katar bescherte.

Redaktion Handball-Reporter, Rhein-Neckar Löwen und Nationalmannschaft

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