Die rote Linie

Alexander Müller zu den Beleidigungen gegen Hopp

Von 
Alexander Müller
Lesedauer: 

Es gibt keine Rechtfertigung und erst recht keine zwei Meinungen. Die offenbar konzertierten Aktionen einiger Ultra-Gruppen in der Fußball-Bundesliga gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp, die beim 0:6 der TSG gegen den FC Bayern beide Teams mit einem skurrilen Nichtangriffspakt beantworteten, sind abstoßend, untragbar und haben mit gelebter Fankultur nichts zu tun. Beleidigungen und Hass bis hin zu symbolischen Morddrohungen haben im Fußball nichts verloren. Gerade in aufgewühlten Zeiten, in denen wie beim Mord an dem Kasseler Politiker Walter Lübcke oder den Terroranschlägen von Halle und Hanau aus den verhetzenden Worten der Demagogen brutale Taten werden, müssen auch im Sport rote Linien gezogen werden.

Fußball Bayern-Fans sorgen für Spielunterbrechungen in Sinsheim

Veröffentlicht
Von
dpa-avis
Bilder in Galerie
10
Mehr erfahren
AdUnit urban-intext1

Die Null-Toleranz-Politik der zuständigen Verbände DFB und DFL im Fall Hopp ist deshalb nachvollziehbar. Nur: Die Funktionäre werden sich nun daran messen lassen müssen, ob sie bei ähnlich gelagerten Fällen, in denen der Betroffene vielleicht eine nicht ganz so große Lobby wie der SAP-Mitgründer besitzt, ebenfalls konsequent vorgehen. Als der Berliner Profi Jordan Torunarigha im Februar beim Pokalspiel auf Schalke rassistisch beleidigt wurde, gab es im Stadion noch nicht einmal eine Durchsage – von einer Unterbrechung oder einem Spielabbruch ganz zu schweigen. Auch „schwule Sau“ gehört zum widerlichen Kanon der Diskriminierung, der nicht aus den Stadien verschwindet.

Die Hoffenheimer Fanszene, die sich völlig zurecht mächtig über die Diffamierungen der Bayern-Ultras gegen ihren Förderer Hopp aufregte, tut ebenfalls gut daran, auch vor der eigenen Haustür zu kehren. Beim Spiel gegen den SC Freiburg wurde im TSG-Block ein Banner mit der Aufschrift „Fotzen Freiburg“ hochgehalten – Sexismus in Reinkultur. Und in der Partie gegen Leipzig beleidigten die Hoffenheimer in Gesängen den gegnerischen Stürmer Timo Werner mit dem gleichen ehrabschneidenden Begriff, der jetzt auch bei Hopp im Zentrum der Debatte steht: Er sei ein „Hurensohn“.

Mehr zum Thema

Fußball Bayern-Fans sorgen für Spielunterbrechungen in Sinsheim

Veröffentlicht
Von
dpa-avis
Bilder in Galerie
10
Mehr erfahren

Fußball Kratzer in der heilen Fan-Welt

Veröffentlicht
Von
dpa
Mehr erfahren

Der Skandal Der Präzedenzfall von Sinsheim

Veröffentlicht
Von
Patrick Reichardt, Ulrike John
Mehr erfahren

Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB