Der Notfall-Plan

Alexander Müller zu den Entschlüssen beim Liga-Gipfel

Von 
Alexander Müller
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Zu den Eigenheiten der Corona-Krise zählt, dass sich vermeintliche Gewissheiten, die vor kurzem noch als unumstößlich galten, ein paar Tage später in Luft aufgelöst haben. Ob die Saison im Profi-Fußball zu Ende gebracht werden kann, zählt sicher zu den Problemen, die angesichts der monumentalen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen durch das Virus hierzulande eine untergeordnete Bedeutung besitzen. Aber dass Liga-Chef Christian Seifert alles unternimmt, um einen Abbruch zu verhindern, ist nachvollziehbar und richtig. Es gilt, Pleiten einzelner Clubs und den unvermeidlichen Klagemarathon, wie eine vorzeitig beendete Spielzeit zu werten wäre, mit allen Mitteln zu vermeiden.

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Wer sich der Angelegenheit mit dem nötigen Realitätssinn nähert, der weiß, dass unter dieser Prämisse nur eine Möglichkeit übrig bleibt: die bei den Fans bisher verhassten Geisterspiele. Weder im Mai noch im Juni und wahrscheinlich auch noch nicht im Juli oder August werden in Deutschland Fußballspiele in vollen Stadien ausgetragen werden können – das ist die bittere Wahrheit. Und auch wenn Fußball ohne Zuschauer wie ein Strandbesuch ohne Sand unter den Füßen ist, klingt die Aussicht auf Geisterspiele mit jedem weiteren Tag der Corona-Einschränkungen auch für die Fans ein bisschen verlockender.

Der Notfall-Plan steht also, Anfang Mai wieder in den Spielbetrieb einzusteigen. Ob er sich allerdings umsetzen lassen wird, hängt von vielen offenen Faktoren ab. Um das Infektionsrisiko innerhalb der Teams nahe null zu halten, müssten Trainer und Profis wochenlang faktisch von der Außenwelt isoliert leben – das beinhaltet womöglich auch den Kontakt zu den eigenen Familien. Ein Covid-19-Fall bei einem eingesetzten Spieler würde das Vorhaben sofort enorm gefährden. Und geben die Bundesländer überhaupt die aktuell gesperrten Stadien wieder frei?

Kaum übertragbar ist der Geisterspiel-Plan außerdem auf die Drittligisten, die ohne Zuschauereinnahmen nicht überleben können. Entweder DFL und DFB legen einen üppig ausgestatteten Hilfsfonds auf, der die Verluste ausgleicht. Oder der 3. Liga droht das Szenario, das weiter oben unbedingt abgewendet werden soll: der Saisonabbruch.

Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB