Der lachende Vierte

Karsten Kammholz über die Wahl zum CDU-Vorsitzenden

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Karsten Kammholz
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Die Suche nach dem neuen CDU-Vorsitzenden hat ein Ende. Das ist vielleicht die beste Nachricht des Wochenendes. Elf lange Monate sind seit der Ankündigung der glücklosen Annegret Kramp-Karrenbauer vergangen, das Amt der CDU-Chefin abzugeben. Geradezu quälende Monate, in denen der Wahlkampf der drei Aspiranten weder innerhalb der Partei noch in der Bevölkerung so etwas wie Begeisterung oder zumindest Spannung auslösen wollte.

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Woran das lag? Sicher auch an den Dramen der Pandemie. Aber mehr noch an den Kandidaten selbst. Gelang es Friedrich Merz, über das altbekannte Profil als Wirtschaftsexperte hinaus zu wachsen? Konnte sich Armin Laschet als weitsichtiger Krisenmanager des bevölkerungsreichsten Bundeslands Nordrhein-Westfalen profilieren? Entwickelte sich Norbert Röttgen trotz seiner wohltuend frischen Bewerbung zur ernsthaften Konkurrenz? Dreimal nein.

Einen Tag vor dem digitalen Wahlparteitag lieferten die jüngsten Umfrageergebnisse der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen die Quittung: Die Mehrheit der Deutschen hält keinen der drei Bewerber für kanzlertauglich. Also auch Armin Laschet nicht, den neuen CDU-Vorsitzenden. Euphorie und Aufbruch sehen anders aus.

Aber das heißt noch nicht viel. Erinnert sei an den Aufstieg Angela Merkels zur CDU-Vorsitzenden vor 21 Jahren. Merkels Wahl wurde zur damaligen Zeit von den führenden Herren in der Union als parteipolitischer Betriebsunfall abgetan. Kaum jemand hätte es im Jahr 2000 für möglich gehalten, dass Merkel einmal dieses Land 16 Jahre lang erfolgreich führen würde.

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Verantwortungsträger können in ihren Ämtern wachsen – und überraschen. Siehe auch Markus Söder. Der frühere Wadenbeißer im Dienste Edmund Stoibers hat seine rhetorische Schlichtheit abgelegt und gewinnt als modern auftretender Landesvater an Sympathien weit über Bayern hinaus. Sicher wird auch der bundesweit populäre bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef nun intensiv darüber nachdenken, ob nicht er selbst nach diesem trägen CDU-Dreikampf der lachende Vierte sein könnte, der die Union im Herbst in die Bundestagswahl führt.

Die kommenden Wochen werden für CDU und CSU noch aufreibend. Auf die K-Frage gibt es Stand jetzt keine überzeugende Antwort. Und wer Bundeskanzler werden will, kann sich diese eine Weisheit bei der gescheiterten Kramp-Karrenbauer abholen: Ein Wahlsieg beendet noch lange keinen Machtkampf.

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