Der Corona-Test

Manfred Loimeier setzt darauf, dass in der Pandemiebewältigung die Fähigkeiten zum Krisenmanagement gestärkt werden

Von 
Manfred Loimeier
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Krisen machen Karrieren und Kanzler. Beispiele dafür gibt es zur Genüge. Helmut Kohl gewann als „Kanzler der Einheit“ die Bundestagswahl im Dezember 1990, nachdem noch auf dem CDU-Parteitag im September zuvor Heiner Geißler, Lothar Späth und Rita Süssmuth wegen der Wahldebakel in Berlin und Hessen seine Ablösung gefordert hatten.

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Das medienwirksame Krisenmanagement Gerhard Schröders nach dem Elbe-Hochwasser im Jahr 2002 führte dazu, dass die bis dahin hinter der Opposition liegende Regierungskoalition aus SPD und Grünen noch eine knappe Mehrheit erzielte. Und der 2002 gerade zum SPD-Ministerpräsidenten Brandenburgs gewählte Matthias Platzeck steigerte durch seine Präsenz bei den Hochwassereinsätzen an der Elbe seine Beliebtheit so sehr, dass er Jahre von seinem Ruf als „Deichgraf“ profitierte.

Krisen also können die Position von Amtsinhabern deutlich festigen. Das lässt sich auch am jüngsten Umfragehoch für die CDU ablesen. Und es zeigt sich zudem, wer die Fähigkeit mitbringt, Krisen zu meistern. CDU-Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer gehört nicht dazu, denn Vorschläge zu Einsatzmöglichkeiten der Bundeswehr haben andere vor ihr ins Spiel gebracht.

Friedrich Merz, der so gern den CDU-Parteivorsitz für sich reklamiert, hält sich vollkommen zurück. Und Armin Laschet, Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens und ebenfalls Kandidat für den CDU-Parteivorsitz, drückt sich vor klaren Aussagen und setzt auf eine kaum faktengerechte Beschwichtigung der Bevölkerung.

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Jens Spahn hingegen macht seine Arbeit als Bundesgesundheitsminister so, wie es sich gehört: zügig, konsequent – und ehrlich. Wer ihn als CDU-Parteivorsitzenden bisher nicht für möglich hielt, wird seine Meinung überdenken müssen. Nicht immer gewinnt der, der am lautesten schreit, sondern wer am entschlossensten handelt. Das gilt im Übrigen auch für US-Präsident Donald Trump, der seine abschätzigen Bemerkungen über das Coronavirus in den Vereinigten Staaten gegen harte Vorgaben an den Autobauer GM zur Produktion von Beatmungsgeräten tauschte. Immerhin droht er sonst seine bisher ungefährdet scheinende Wiederwahl im November dieses Jahres zu gefährden. Und Großbritanniens Premier Boris Johnson muss noch zeigen, dass er auch anderes kann als nur gegen die Europäische Union zu wettern.

So gilt auch für die Politik, was für die Wirtschaft gilt: Was immer davon zu halten ist, aber kein Unternehmen, keine Firma und kein Handwerksbetrieb werden nach der Corona-Krise wieder so sein wie zuvor. Im besten Fall werden sich jeweils krisentaugliche Leistungsträger herauskristallisiert und bewährt haben. Übertragen auf die Politik heißt das: Überzeugen durch konkrete, transparente und reelle Arbeit. Wenn dabei der eine oder andere Dampfplauderer entlarvt wird, dann ist das für die Stärkung der Demokratie konstruktiv. Wenigstens etwas.

Redaktion Geschäftsführender Redakteur und Mitglied der Chefredaktion