Der Bund ist am Zug

Steffen Mack über die elektronischen Miet-Roller

Von 
Steffen Mack
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Das schönste Zitat von Kaiser Wilhelm II. lautet: „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ Mittlerweile sollte sich herumgesprochen haben, dass man mit Prognosen über die Zukunftsfähigkeit neuer Verkehrsmittel besser vorsichtig ist. Das gilt auch für die E-Scooter (auf Deutsch E-Tretroller, wobei die Nutzer ja eben nicht treten, sondern gemütlich gleiten wollen). Die Aufregung darüber hat etwas nachgelassen, vielerorts stehen die grünen Miet-Roller wie selbstverständlich am Straßenrand.

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Zu selbstverständlich, meinen viele. Im Ordnungsausschuss des Gemeinderats werden parteiübergreifend strengere Regeln gewünscht. Doch die Stadt kann da nicht viel tun, gefragt wäre vielmehr die Bundesregierung.

Denn eines lässt sich bereits mit Sicherheit sagen: Die neuen Roller wurden überstürzt für den Verkehr zugelassen, weil sich der Minister damit profilieren wollte. Inzwischen scheint Andreas Scheuer sein Image (Stichwort vor allem: Pkw-Maut) irreparabel geschädigt zu haben. Aber über die neuen Roller sollte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Ob sie nur ein vorübergehender Modespaß oder doch eine bereichernde Mobilitätsform sind, wird sich erst zeigen, wenn auch private Geräte in großer Zahl für den Straßenverkehr zugelassen sind. Vielleicht nutzen sie dann ja tatsächlich viele Menschen, die nicht gut oder gern zu Fuß sind, für die viel beschworenen „letzten Meter“ nach Bus oder Bahn.

Wie Wilhelm II. auch so schön sagte: „Die Fähigkeit, in die Zukunft zu sehen, kommt nur bei Kaisern öfters vor.“

Redaktion Steffen Mack schreibt als Reporter über Mannheimer Themen