Kommentar Das Bundesliga-Problem: Kalkulierbare Kurzfristigkeit

Nach der ersten Saisonhälft der Fußball-Bundesliga ist es mit der Spannung schon wieder dahin. "MM"-Redakteur Marc Stevermüer gibt dafür den Clubs aus Dortmund, Leipzig und Leverkusen und deren mangelnder Geduld die Schuld.

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Marc Stevermüer
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Am Anfang dieser Bundesliga-Saison stand die Hoffnung. Wie so oft in den vergangenen Jahren. Aber diesmal war sie wirklich berechtigter denn je. Der FC Bayern ohne seinen zum FC Barcelona abgewanderten Weltklasse-Stürmer Robert Lewandowski. Diese Nachricht musste vor dem ersten Spieltag im August tatsächlich als echte Chance für mehr Spannung verstanden werden.

Drei Monate später hat sich diese Hoffnung allerdings komplett zerschlagen. Weil der FC Bayern auch ohne Lewandowski sehr, sehr viele Tore schießt und entsprechend sehr, sehr viele Spiele gewinnt. Und weil die vermeintliche Konkurrenz mal wieder sehr, sehr viel patzte, als es die kleine Möglichkeit gab, die Münchner zumindest mal ein wenig zu stressen und unter Druck zu setzen.

Längst sind die vier sieglosen Spiele der Bayern im Spätsommer vergessen, als der Rekordmeister sogar gegen die Abstiegskandidaten aus Augsburg und Stuttgart patzte. Als es ein wenig Unruhe an der Säbener Straße und leichte Zweifel an Trainer Julian Nagelsmann gab. Wäre es in dieser Phase Borussia Dortmund oder RB Leipzig mal gelungen, den Münchnern zu enteilen, dann hätte es tatsächlich etwas mit der Spannung werden können.

Vorbilder Union und Freiburg

Stattdessen begaben sich aber der BVB und RB auf die Suche. Dortmund (mal wieder) nach der Stabilität, Leipzig nach einem neuen Trainer. Gute Nachrichten für die Bayern, schlechte für die Bundesliga, in der von Beginn an Union Berlin und der SC Freiburg nicht nur die Rolle der Titelrivalen übernahmen, sondern zu Vorbildern reiften. Gerade auch für Dortmund, Leipzig und Leverkusen, die in der grauen Theorie aufgrund ihrer Kader und ihrer finanziellen Möglichkeiten den Münchnern am nächsten sein sollten. Eigentlich.

Doch kein Club aus diesem Trio hat das, was Union und Freiburg aufweisen: Konstanz, Vertrauen und Geduld an der wichtigsten Stelle, der Trainerposition. Christian Streich sitzt in Freiburg seit 2012 auf der Bank, Urs Fischer in Berlin seit 2018. Zum Vergleich: In den vergangenen vier Jahren tauschten Dortmund und Leverkusen viermal, Leipzig sogar fünfmal den Trainer.

Der Fehler der Herausforderer

Wenn man dann mal von Nagelsmanns Wechsel von Leipzig zum FC Bayern absieht, waren all diese Personalien von dem Zwang getrieben, kurzfristig etwas korrigieren oder retten und bloß nichts aushalten zu wollen. Dabei hat doch ausgerechnet der BVB 2010 und 2011 mit zwei Meisterschaften vorgemacht, wie man mit Vertrauen in den damaligen Trainer Jürgen Klopp die auch zu dieser Zeit finanziell übermächtigen Bayern überflügeln kann.

Diesen planerischen Verstand, verbunden mit dem festen Glauben an eine Vision, sucht man nun bei den meisten Clubs vergebens – auch in Dortmund, Leipzig und Leverkusen. Weshalb es dann auch nicht verwundert, dass alle dort präsentierten Trainerlösungen nur eines waren: von kurzer Dauer. Und vor allem: gut für den FC Bayern.

Redaktion Handball-Reporter, Rhein-Neckar Löwen und Nationalmannschaft

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