Corona bestimmt

Peter Reinhardt über einen nie dagewesenen Wahlkampf

Von
Peter Reinhardt
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Nur noch knapp sechs Wochen sind es bis zur Landtagswahl in Baden-Württemberg am 14. März. Aber von richtigem Wahlkampf ist in der Öffentlichkeit noch wenig zu spüren. Die Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie machen die Informationsstände der Kandidaten ebenso unmöglich wie persönliche Treffen mit den Parteipromis. Gleichzeitig müssen die Wahlwerber aber bedenken, dass viel mehr Bürger in diesem Jahr sich für die Briefwahl entscheiden, um Ansteckungsrisiken zu vermeiden. Die schriftliche Stimmabgabe ist schon früh im Februar möglich, wenn Städte und Gemeinden die Unterlagen verschickt haben. Die Parteien müssen also schon in wenigen Tagen die heiße Phase des Wahlkampfes einläuten. Frühzeitig geben wahrscheinlich die Stammwähler ihre Stimme ab, wer unsicher ist, wird eher bis zum Schluss überlegen. Deswegen wird auch die Wahl 2021 erst im Endspurt entschieden.

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Wer am Ende vorn liegt, ist offen. In den letzten Umfragen waren Grüne und CDU mal gleichauf bei 30 Prozent, bei einem anderen Institut liegen Kretschmann und seine Partei stabil runde fünf Prozentpunkte vor den Schwarzen. Die beiden bisherigen Koalitionspartner spielen um den Sieg, die drei Oppositionsfraktionen sind weit abgeschlagen und können allenfalls den dritten Platz unter sich ausmachen. Sehr überraschend ist dabei allenfalls, dass der vollkommen zerstrittenen AfD noch zweistellige Prozentergebnisse prognostiziert werden.

Beim Duell der Spitzenkandidaten tut sich Winfried Kretschmann leichter als die Herausforderin. Erfahrene Amtsinhaber profitieren in der Regel von Krisen wie aktuell der Pandemie. Seine bald 73 Jahre spielen in der Debatte kaum eine Rolle. Die Grünen setzen voll auf ihn, sogar aus Berlin gibt es Unterstützung. Dagegen steht bei Susanne Eisenmann nicht einmal die eigene Partei geschlossen hinter ihrem Corona-Kurs und in der schon zu Normalzeiten hochtourig diskutierenden Bildungsszene ist derzeit manche Kritik aus den Verbänden nur mit dem Wahlkampf zu erklären. Eisenmanns größtes Problem ist aber, dass ihre forsche und temporeiche Politik nicht zu der Zuhörkampagne passt, mit der sie um die Unterstützung der Wähler buhlt.

Wie schnell das Virus Pläne zerstören kann, zeigte sich erst am Mittwoch, als in einer Freiburger Kita eine Mutante gefunden wurde und die Öffnungspläne erst einmal zu Makulatur machte. Sicherlich wird Corona auch die nächsten sechs Wochen bestimmen.

Korrespondent Landespolitischer Korrespondent in Stuttgart