Lisa Wazulin über die Lage von Frauen und Kindern in Not Beunruhigend ruhig

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Lisa Wazulin
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Es ist die Stille, die Beratungsstellen und Frauenhäuser Sorgen macht. Schließlich waren sich Expertinnen für häusliche und sexuelle Gewalt schon früh in der Corona-Krise einig: Durch die Kontaktbeschränkungen können Betroffene ihren Peinigern zuhause kaum entkommen – das Risiko, misshandelt, vergewaltigt oder missbraucht zu werden, steigt. Der erwartete Anstieg aber ist in Mannheim bislang ausgeblieben. Stattdessen ist es beunruhigend ruhig – es gibt kaum Hilferufe und sogar weniger Anfragen als vorher. Die nicht einmal voll besetzten Frauenhäuser werfen Fragen auf: Wie geht es den Frauen und Kindern, die Gewalt erleben – jetzt und davor? Schlagen sie erst nach der Krise Alarm? Weil nicht nur betroffene Frauen kaum Hilfe suchen, sondern auch misshandelte Kinder im Stillen leiden, glauben die Einrichtungen: Viele harren noch aus – und werden sich erst melden, wenn die Gefahr durch das Virus vorbei ist. Damit die Schutzhäuser dafür später gewappnet sind, braucht es finanzielle Hilfe.

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Das hat auch die Mannheimer Grünen-Fraktion früh erkannt – und Soforthilfen für Frauen und Kinder in Not gefordert, sowie den Ausbau der Schutzhäuser. Die Zuschüsse gibt es nun vom Land – auch wenn sie überfällig sind. Es gibt noch einiges zu tun: Gerade Kinder, die missbraucht wurden, erzählen nicht gerne. Schon unter normalen Umständen braucht es aufmerksame Erwachsene, die merken, dass etwas nicht stimmt. Wie erreicht man die Kleinen zuhause? Selbst wenn es gelingt, jedes Kind bis zu den Sommerferien einmal in die Schule oder die Kita zu bringen, reicht das nicht, um Hilferufe zu erkennen. Die Ferien könnten das noch weiter verschleppen – wieder sechs Wochen, in denen Kinder keinen greifbaren Ansprechpartner haben.

Die Soforthilfen könnten gerade rechtzeitig kommen, um sich für den Ansturm zu rüsten. Trotzdem sollten sie langfristig fließen. Schließlich fordern Anlaufstellen seit Jahren mehr Personal. Denn die Gefahr durch das Virus wird verschwinden, häusliche Gewalt aber bleibt.

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Redaktion Lokalredaktion,Online-Koordinatorin. Schwerpunkte: Polizei, Hochschulen, Frauen,