Kommentar Beispiellose Einschnitte

Rolf Obertreis zum Stellenabbau bei der Commerzbank

Von 
Rolf Obertreis
Lesedauer: 

Es werde harte und unbequeme Entscheidungen geben, hatte der neue Vorstandschef Manfred Knof gleich zu seinem Amtsantritt Anfang Januar betont. Keine vier Wochen später legt der frühere Deutsche-Bank-Manager die Pläne auf den Tisch. Und die haben es in sich. 10 000 Stellen fallen in den nächsten vier Jahren weg, allein in Deutschland trifft es ein Drittel der Beschäftigten. Für die ist es ein Schock. Sozialverträglich wird der Abbau nicht für alle über die Bühne gehen, Entlassungen sind bei dieser Größenordnung vermutlich unvermeidlich. Statt knapp 800 wird die zweitgrößte deutsche Geschäftsbank künftig nur noch 450 Filialen betreiben.

AdUnit urban-intext1

Es sind radikale, für die Commerzbank nahezu beispiellose Einschnitte. Aber Knof hält sie offensichtlich für unvermeidlich, um das Institut wieder nachhaltig auf die Beine stellen zu können. Was dauern wird. Schließlich wird das Umfeld für die Banken in diesem Jahr und darüber hinaus alles andere als besser. Andrea Enria, oberster Bankenaufseher für die Euro-Zone spricht mit Blick auf 2021 bereits von „düsteren“ Gewinnaussichten für die Geldhäuser.

Im vergangenen Jahr könnte sich der Verlust der Commerzbank auf bis zu eine Milliarde Euro belaufen haben. Wenn nicht mehr. Auch im laufenden Jahr, das steht jetzt schon fest, droht nicht nur wegen der hohen Restrukturierungskosten erneut eine tiefrote Bilanz. Die radikalen Einschnitte scheinen ohne Alternative. Es muss wohl schlechter werden, bevor es wieder besser werden kann.

Mehr zum Thema

Finanzen Commerzbank plant Kahlschlag

Veröffentlicht
Von
Rolf Obertreis
Mehr erfahren

Korrespondent Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich für den Mannheimer Morgen und für andere wichtige Regionalzeitungen wie den Tagesspiegel/Berlin, die Badische Zeitung/Freiburg, die Südwest Presse/Ulm und den Münchener Merkur als Wirtschaftskorrespondent in Frankfurt. Banken, Europäische Zentralbank, Bundesbank, Börse und in Frankfurt ansässige Unternehmen wie Lufthansa und auch Verbände wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA zählen zu meinen Schwerpunkten. Daneben auch die Luftfahrt. Zudem befasse ich mich über die KfW Bankengruppe und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.