Ausgrenzung beginnt klein

Von 
Lea Seethaler
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Immer wenn im Mannheimer Antidiskriminierungsbüro das Telefon klingelt, ist das beschämend. Es ist beschämend für eine Gesellschaft, deren Mitglieder andere so verachten, dass diese dort anrufen müssen.

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Auch als Journalistin wird man es irgendwann leid, appellartige Kommentare an eine Gesellschaft zu schreiben: „Lasst es!“ „Es ist falsch!“ „Was soll das?!“ Jeder weiß doch, dass unsere Gesellschaft ein Ausgrenzungsproblem hat. Aber jeder muss Dinge, damit sie sich ändern, eben in seinem eigenen kleinen Kosmos umsetzen.

Zu oft wird weggeguckt. Und abgetan. Klar, das ist bequemer – Konfrontation adieu. Doch wenn der neue Freund der besten Freundin beim Treffen ständig etwas gegen Schwule sagt, muss eben entschieden werden: „Okay Leute, das war der letzte Grillabend mit euch“.

Denn sind wir doch mal ehrlich: Würden wir alle rigoros diese Missstände ansprechen, könnten wir etwas verändern. Hier in der Stadt. In Deutschland. Und in der Welt. Versuchen Sie es doch mal diese Woche schon: Vielleicht machen auch Ihre Kinder mit beim Kontrageben, wenn es mal wieder auf dem Schulhof als Beleidigung „Du Jude!“ zu einem Klassenkameraden heißt. Vielleicht machen auch ihre Kollegen mit, wenn der Chef sagt, der Migrant schaffe wieder nix?

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Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt leider: Es war schon immer so, dass Menschen andere aufgrund von Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung und noch vielem mehr verachten. Die Folge: Kriege, Gewalt, Hass. Und auch heute: Egal an welchen Ort der Welt, in welchen Bereich der Gesellschaft man sieht: Nach wie vor hat die doch ach so edle Spezies Mensch ein Ausgrenzungsproblem. Mal mehr, mal weniger, mal latent, mal offen – es ist egal, denn beides ist gleich dramatisch. Daher ist es zwar traurig, dass im Antidiskriminierungsbüro die Telefone klingeln – aber gut, dass es diese gibt – und die Menschen dort den Hörer abnehmen und helfen. Es könnten gern noch mehr sein als fünf Beraterinnen, denn: Große Probleme erfordern großen Einsatz. Sind wir also alle aufmerksam im Alltag, und verhindern so wenigstens präventiv ein paar Anrufe beim Büro, indem wir für unsere Mitmenschen eintreten.

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Redaktion Redakteurin und Online-Koordinatorin der Mannheimer Lokalredaktion