Tierische Geschäfte

Von 
Georg Spindler
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Der Tod des britischen Rockgitarristen Hilton Valentine hat dieser Tage einen der großen Pop-Hits – „The House Of The Rising Sun“– in Erinnerung gebracht. Der Song über ein Bordell machte die Band The Animals international bekannt, er verkaufte sich allein im Erscheinungsjahr 1964 fünf Millionen mal. Doch der Welterfolg war Fluch und Segen zugleich. Denn er sorgte letztlich dafür, dass die Gruppe um Sänger Eric Burdon, eine verschworene Gemeinschaft junger Musiker aus dem Arbeitermilieu der nordenglischen Stadt Newcastle, auseinanderbrach. Schuld daran war – das Geld.

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Zwar schuf Hilton Valentine mit seinem legendären Arpeggio, bei dem er die einzelnen Töne eines Akkords aufblätterte wie die Seiten eines Buches, eine denkwürdige Einleitung; Heerscharen junger Gitarristen spielten sie nach. Er soll auch das meiste zum Arrangement des Folksongs beigetragen haben, das haben seine Mitmusiker stets erklärt – bis auf einen: Organist Alan Price. Der 1963/64 sicherlich virtuoseste Instrumentalist aller britischen Popbands setzte nämlich seinen Namen als Arrangeur auf die Platte und heimste sämtliche Tantiemen ein. Produzent Mickie Most habe gesagt, es gäbe auf dem Etikett der Single nur Platz für einen kurzen Namen. Einige Monate später verließ Price überraschend die Animals – angeblich an dem Tag, an dem er den ersten Tantiemenscheck bekam. Die verschworene Gemeinschaft gab’s nicht mehr.

Geärgert über einen, allerdings nicht zustande gekommenen Vertrag hat sich noch viele Jahre später auch der unvergessene deutsche Konzertveranstalter Fritz Rau. Ihm wurde die Band, die sich wegen ihrer wilden Bühnenshow The Animals (Die Tiere) nannte, angeboten, als sie noch unbekannt war. Er schlug die Offerte, wie er mal in einem Privatgespräch verriet, mit der Begründung aus: „Ich mache keine Geschäfte mit Tieren.“ Da ging auch ihm ein Batzen Geld durch die Lappen. Georg Spindler

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