Popkultur

Von 
Harald Sawatzki
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Es scheint an der Zeit, endlich mal ein gutes Wort für all jene Persönlichkeiten einzulegen, die im kulturellen oder politischen Leben ihren Mann oder erst recht ihre Frau stehen müssen – und die nicht selten von Andersmeinenden als Populisten gebrandmarkt werden. Da macht sich beispielsweise die Bildungsministerin eines bei der Nachwuchsförderung erfolgreichen Bundeslandes über das ihrer Auffassung nach anzustrebende Zentralabitur Gedanken. Und was geschieht? Aus dem Off tönt es sofort, die Frau hänge populistischem Gedankengut an. Da nützt es eventuell wenig, wenn selbst die Lehrerverbände und Vertreter der Hochschulen an der Idee Geschmack finden. Oder ein Sozialwissenschaftler wagt den Hinweis auf die Notwendigkeit einer Einwanderungspolitik mit Augenmaß. Völlig daneben, der Mann. Populismus pur, wohin man schaut.

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Dabei steckt im Wörtchen Populismus immerhin das zunächst einmal unverfängliche lateinische populus – Volk. Und abseits aller demagogischen Fallen, mit denen der wahre Populist in reinem Opportunismus „seine“ Leute hinter sich versammeln will: In der Antike wussten sie mitunter die Macht und Sprengkraft von Volksmeinungen zu schätzen und einzuordnen. „Vox populi. Vox dei“, hieß es bei Hesiod: Volkes Stimme ist Gottes Stimme. Gegen eine eindimensionale Auslegung dieses Postulats sind freilich in unseren aufgeklärten Zeiten Früchte auf dem Baum der Erkenntnis gewachsen. Und die besagt, dass die Mehrheit eben nicht immer Recht hat. Oder schärfer noch, wie Friedrich Schiller im Demetrius festhielt: „Mehrheit ist der Unsinn. Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen.“