Nix wie raus!

Von 
Georg Spindler
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Eigentlich ist ein Fenster ja etwas ganz Gewöhnliches. Einfach nur eine schnöde Wandöffnung, durch die das Licht ins Zimmer fällt (je nachdem, wie sauber die Hausherrin oder der Hausherr die Scheiben hält). Aber in Corona-Zeiten ist das Alltagsding zu etwas ganz Besonderem geworden. Zunächst rückte es in den Mittelpunkt des Interesses, weil es unabdingbar ist, wenn ein Raum gelüftet werden muss. Gekippt, halb geöffnet, sperrangelweit aufgerissen – ganze Schulklassen haben inzwischen damit schon frösteln gelernt.

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Seit einiger Zeit werden Fenster aber nicht nur zur Verbesserung des Raumklimas genutzt. Immer öfter werden die Wandöffnungen zweckentfremdet: Als Ausstieg erfreuen sie sich vor allem bei Teilnehmern verbotener Corona-Partys großer Beliebtheit, wie man jüngsten Polizeimeldungen entnehmen kann. Wer vom Auge des Gesetzes nicht entdeckt werden will, dem bleibt halt oft nur der direkte Weg durchs Fenster (je nachdem, wie groß dessen Öffnung ist – und der Leibesumfang des Flüchtenden).

Darüber wussten schon die alten Bluesmeister ein Lied zu singen. So beschreibt „One Way Out“ (Nur ein Weg nach draußen) von Sonnyboy Williamson einen Liebhaber in Nöten: Entdeckt er doch bei einem Schäferstündchen einen Mann auf der Straße, der der Gatte seiner Liebschaft sein könnte. Der Weg durch die Haustür ist also blockiert. „Öffne das Fenster, Baby“, ruft er seiner Bettgesellin zu, „damit ich mich davonschleichen kann“. Vielleicht gibt’s ja demnächst einen Hip-Hop-Song über einen ähnlich gelenkigen Corona-Partygast. Von irgendeinem Gangsta-Rapper. Georg Spindler

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