Gewöhnlich ungewöhnlich

Von 
Jörg-Peter Klotz
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Torsten Sträters Gedankengänge sind so eigenwillig verzwirbelt, dass den Zuschauern vor Lachen fast die Luft wegbleibt, wenn der Comedy-Star sie auf der Bühne öffentlich zu kartieren versucht. Zu bewundern war das live am 1. März, als der Rosengarten das letzte Mal vor der Pandemie ausverkauft war. Immerhin: Auch den Humor des Westfalen gibt es quasi abgepackt in Mediatheken (ARD), Hörbüchern und auf gedruckten Seiten. Als Autor ist Sträter inzwischen sogar ausgezeichnet worden: Die Thalia Bücher GmbH hat den 53-Jährigen für den „Ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres“ geehrt. Zu der Ehre kam der Westfale für sein Werk „Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein“.

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Für Sträters Verhältnisse ist das eigentlich eine Routine-Formulierung. Aber nicht wesentlich weniger originell als die meisten der sechs Vorgängertitelträgertitel: „Das Mädchen mit dem Rohr im Ohr und der Junge mit dem Löffel im Hals“ (Volker Strübing, 2013), „Wir sind glücklich, unsere Mundwinkel zeigen in die Sternennacht, wie bei Angela Merkel, wenn sie einen Handstand macht“ (Thomas Spitzer, 2014), „Aufgeben ist keine Lösung. Außer bei Paketen“ (Patrick Salmen & Quichotte, 2015), „Hinfallen ist wie Anlehnen, nur später“ (Sebastian 23, 2016), „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ (Anna Basener, 2017) und „Es hat 18 Buchstaben und neun davon sind Ypsilons“ (Henrik Szanto, 2018).

Torsten Sträter wäre schon 2011 mit „Der David ist dem Goliath sein Tod“ ein heißer Kandidat gewesen. Aber da gab es den Preis noch nicht. Auch „Selbstbeherrschung umständehalber abzugeben“ (2014) und „Als ich in meinem Alter war“ hätten ein paar Jury-Punkte verdient. Den Vogel abgeschossen hat der Dortmunder aber mit dem Untertitel des Drei-Mann-Podcasts „Sträter Bender Streberg – Lutsch mich rund und nenn mich Bärbel“. Das ist ein Spruch, der mit so klassisch westfälischer Herbheit Überraschung ausdrückt, dass er eigentlich auf keinem Kaffeepott in Haushalten von betroffenen fehlen sollte.

Ressortleitung Stv. Ressortleiter Kulturredaktion