Findige Titel

Von
Thomas Groß
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Dass es „MeToo“ auch auf dem Buchmarkt gibt, hat uns vor Jahren einmal der inzwischen verstorbene Seniorverleger des Weinheimer Beltz-Verlags erzählt. Damals setzten viele Büchermacher auf Titel rund um Apfelessig, weil ein Sachbuch zum Thema zuvor recht erfolgreich war. Also sagten alle: me too – ich auch – und brachten eigene Bücher dazu heraus. Die konnten und könnten Titel tragen wie „Gesund mit A.“, „Kochen mit A.“, „Besser leben mit A.“, „Mein Leben mit A.“ oder „Der A. und ich“, aber immer musste die saure Sache auf Anhieb erkennbar sein, um die gewünschte Aufmerksamkeit zu finden. Wirklich findig, nämlich originell kann das gar nicht klingen. Aber immerhin wirkt es noch sachlich und vergleichsweise dezent, wenn man einen recht erfolgreichen Ratgebertitel wie den von Alexandra Reinwarth dagegenhält, dessen Aufmerkwort gleichfalls mit A beginnt: „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg“. Das klingt einerseits überdeutlich, aber doch nicht ganz eindeutig, weshalb die nähere Erklärung gleich darunter steht: „Wie sich dein Leben verbessert, wenn du dich endlich locker machst.“ Das ist dann wieder deutlich genug. Die entsprechende Übung könnte tatsächlich überfällig sein, und einen Vorteil hat sie auch: Man braucht dazu anscheinend keine weiteren Hilfsmittel, keinen Apfelessig oder sonstiges. Ob die Methode zu einem passt, erfahren Leser hier wie in den Fällen oben aber erst dann, wenn sie die Bücher aufklappen. Ist doch tröstlich, dass zumal bei Büchern die findige Verpackung längst nicht alles ist. Thomas Groß

Redaktion Kulturredakteur, zuständig für Literatur, Kunst und Film.