Falsche Nudeln und Goldzähne

Von
Georeg Spindler
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Dass man älter wird, zeigt sich nicht nur beim Blick in den Spiegel. Auch wenn mal alte Filme aus der Jugendzeit im Fernsehen laufen (unsereiner schaut noch linear), wird schlagartig klar, wie die Zeiten sich geändert haben. So gab’s zum Beispiel mal die Pauker- und Pennäler-Filme. Junge Leute von heute werden da verwundert reagieren. Penne kennen sie nur aus dem Nudelregal im Supermarkt. Und Pauker sind (falls jüngere Menschen dieses alte Instrument noch kennen) nur noch im Orchester anzutreffen. Dass so früher einmal die Lehrer, pardon, die Lehrenden, von den zu Unterrichtenden genannt wurden und die Schule Penne hieß, ist längst Geschichte.

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Andererseits sind heute Wörter gang und gäbe, die man früher nur mit hochrotem Kopf unter Altersgenossen aussprach; nicht mal die Genossinnen wollte man damit belästigen. Die Vokabel „geil“ war einst Ausdruck sittlicher Verwahrlosung. Heute ist sie ganz alltäglich. Gänzlich verschwunden sind dagegen Ausdrücke, mit denen Jugendliche (maskulinum) in den 1950ern junge Leute (femininum) titulierten. Der Mannheimer Jazzpianist Wolfgang Lauth erklärte mal in einem Interview, dass Frauen damals als „Zähne“ bezeichnet wurden. Heute ist das undenkbar, aber früher gab es eine ganze Nomenklatura, wie Lauth berichtete: vom „steilen Zahn“ (selbsterklärend) bis zum „Goldzahn“ (ein Mädchen mit Geld). Kein Wunder, dass Lauth ein Jazzstück nach dem Phänomen benannte. Es hieß „Dentology“ , also Zahnkunde, und war recht munter. Auch daran hat seither der Zahn der Zeit genagt. Georg Spindler