Zukunft in Bewegung gesetzt

Wunder der Prärie: Mannheimer Zeitraumexit beleuchtet das Ende der Automobilität

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Zwei ineinander geraste SUVs aus Fundhölzern: die begehbare „Crushed Cayenne“-Skulptur. © Kaltwasser Köbberling Best Foto

Mannheim. Sie scheinen ihre Strahl- und Triebkraft zu verlieren, die aus Chrom und Carbon geformten Träume von individueller Bewegungsfreiheit: „Jetzt, da das Zeitalter der Automobilität zu Ende geht“, wie das Mannheimer Künstlerhaus Zeitraumexit notiert, widmet sich dessen elftes Wunder-der-Prärie-Festival von 19. bis 29. September dem Zusammenhang von Technik und Gesellschaft. Das internationale Festival für Performancekunst und Vernetzung verhandelt, wie die Autoindustrie unsere Kultur geformt hat und wie eine neue Kultur in Zukunft die Industrie formen müsse.

Do, 19.9. Wire Cars (16 Uhr Zeitraumexit), Cars into bicycles (16 Uhr Quartiersplatz), Festival Opening (19 Uhr Zeitraumexit), Crushed Cayenne (19 Uhr Zeitraumexit).

Fr, 20.9. Crushed Cayenne (16 Uhr Zeitraumexit), Wire Cars (16Uhr Zeitraumexit), Cars into Bicycles (16 Uhr Quartiersplatz), Autoquartett (19Uhr Zeitraumexit), Forever Apocalyptic (21Uhr Treffpunkt:Haupteingang Stadthaus N1).

Sa, 21.9. Wire Cars (10 Uhr Zeitraumexit), Cars into Bicycles (10 UhrQuartiersplatz), No- Motor-Parade (16 Uhr Bertha-Benz-Denkmal, Friedrichsplatz), Crushed Cayenne (16 Uhr Zeitraumexit).

So, 22.9. Robotaxi (15/17 Uhr Zeitraumexit), Crushed Cayenne (16 Uhr ebendort), Autoquartett (19 Uhr Zeitraumexit).

Di,24.9. CrushedCayenne(16 Uhr Zeitraumexit), Robotaxi (17/19 Uhr Zeitraumexit), Autoquartett (19 Uhr Zeitraumexit).

Mi, 25.9. Elektroauto-Schulung( 16 Uhr Stadtmobil-Standort B1, 9), Crushed Cayenne (16 Uhr Zeitraumexit), Robotaxi (17/19 Uhr Zeitraumexit).

Do, 26.9. Screwing Bitches Werkstatt (11 Uhr Zeitraumexit), Crushed Cayenne (16 Uhr Zeitraumexit), Auto-nomie (21 Uhr Zeitraumexit).

Fr, 27.9. Screwing Bitches Werkstatt (11 Uhr Zeitraumexit), Autobahn Experience (16 Uhr Ort nach Vereinbarung), Crushed Cayenne (16 Uhr Zeitraumexit), Robotaxi (17/19 Uhr Zeitraumexit),Autoquartett (19 Uhr Alte Feuerwache), ESound of Silence (20.30 Uhr Alte Feuerwache).

Sa, 28.9. Screwing Bitches Werkstatt (11 Uhr Zeitraumexit), Elektroauto-Schulung (16 Uhr Stadtmobil-Standort B1, 9),AutobahnExperience (16Uhr Ort nach Vereinbarung), Crushed Cayenne (16 Uhr Zeitraumexit), Auto-nomie (21 Uhr Zeitraumexit), Abschlussparty (23.59 Uhr Zeitraumexit).

Orte: Zeitraumexit (Hafenstr. 68) Alte Feuerwache (Brückenstr. 2), Parkhaus N2 (N2), Bertha Benz Denkmal (Augustaanlage1), QuartiersplatzJungbusch (Hafenstr. 25). Stadtmobil- Standort B1,9 (Innenhof).

Eintritt: Jeder zahlt, was er kann oder möchte: (Supersparpreis 3 Euro, Sparpreis 8 Euro, Standardpreis 15 Euro, Soliticket 25 Euro).

Abendkasse: Eine Stunde vor Beginn, Veranstaltungsort (Reservieren: 0621/33939755).

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Unter dem Titel „Autonomie“ versetzt es sein Publikum dabei im Künstlerhaus und an weiteren Spiel- und Aktionsorten mit Performances und partizipativen Formaten sowohl in geistige wie auch körperliche Bewegung.

Spannend klingt etwa „Robotaxi. Der Geist in der Maschine“, eine mobile Performance des Berliner Regisseurs Lajos Talamonti, der das Publikum in die Zukunft des vollautonomen Fahrens katapultiert. Und zwar in Gestalt einer Autofahrt durch die Stadt und eines interaktiven Spiels zwischen einer Gruppe von Passagieren und einer künstlichen Intelligenz. „Robotaxi“ wird für Wunder der Prärie entwickelt und ist in Mannheim zum ersten Mal zu erleben.

Bei der Performance „Forever Apocalyptic“ begeben sich Die apokalyptischen Tänzer und Tänzerinnen auf eine ästhetische Reise ans Ende der Welt. In der Produktion „Auto-nomie“ des Künstlerzusammenschlusses andpartnersincrime folgen drei Frauen wiederum in einem Automobil den Spuren ihrer eigenen Biografie in drei Regionen Europas, in denen Unabhängigkeitsbewegungen aktiv sind.

Drahtautor aus Detroit

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Für „E-Sound of Silence“ von Tanja Krone und Muath Isaied arbeitet die Musikerin und Regisseurin Krone zusammen mit anderen Musikern und unterstützt von Experten sowie einem Bürgerbeirat am Elektroauto-Klang der Zukunft. In einem Abschlusskonzert performen vier Elektroautos die hierbei entwickelten Kompositionen live.

Auch wer mit anpacken will, findet dazu Gelegenheit. Etwa bei den „Wire Cars“-Workshops mit dem US-Amerikaner Chido Johnson, der seit Jahren mit den Menschen der Autostadt Detroit Drahtautos baut, wie er sie aus seiner Kindheit in Afrika kennt. Eine Abschlusspräsentation findet bei der „No-Motor-Parade“ im Mannheimer Zentrum statt. Deren Hintergrund: Am weltweiten „Parking Day“ am 21. September bespielt in der Quadratestadt ein Netzwerk von Aktivisten einen Tag lang „die beliebteste Poser-Piste, die Fressgasse“.

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Das Festival schließt sich mit einer „wohlklingenden und garantiert verbrauchsarmen“ Auto- und Fahrradparade an. Alle sind eingeladen, „mit dem Benzer, dem Oldtimer oder der Pferdekutsche – Hauptsache der Motor bleibt aus!“

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Beim Workshop „Cars into Bycicles“ bauen die Teilnehmer zusammen mit Künstler Martin Kaltwasser Autos in Fahrräder um. Auch hier nehmen die Räder zum Abschluss an der „No-Motor-Parade“ teil. Kaltwasser hat zusammen mit der Bildenden Künstlerin Folke Köbberling zudem aus Fundhölzern den Zusammenstoß zweier SUVs nachgebaut – entstanden ist die begehbare, bei Zeitraumexit ausgestellte „Crushed Cayenne“-Skulptur.

Mit der „Screwing Bitches Werkstatt“ eröffnen die namensgebenden DIY-YouTube-Kanal-Betreiberinnen für drei Tage eine feministische Kfz-Werkstatt, in der Frauen von Frauen das Reparieren von Autos und Herstellen eigener Video-Tutorials lernen können.

Erfahrung Autobahn

In der Reihe „Autoquartett – Gespräche zur aktuellen Verkehrslage“ sprechen die Moderatoren Thomas Ihm und Dietrich Brant an vier Abenden mit namhaften Experten über Kultur, Ökonomie und Politik des automobilen Zeitalters – und suchen nach Visionen für die Zeit danach.

Alle Neugierigen werden zudem an zwei Terminen während des Festivals zur Elektroauto-Schulung des Carsharing-Verbundes Stadtmobil eingeladen. Und wer mindestens 699 Euro zu viel in der Tasche hat, kann in eine Sportwagen-Fahrt mit der Firma Motion Drive investieren, die im Rahmen von Wunder der Prärie zur „Autobahn Experience“ lädt.