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Von Ohrwürmern und knurrenden Mägen

Von 
Thorsten Langscheid
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… gehen einem manche Ohrwürmer, wenn sie erst mal drin sind, nicht mehr aus dem Ohr. Zum Beispiel können wir, nachdem uns bei der Morgenrunde ein prächtiger Feldhase vors Fahrrad gehoppelt ist, zur Zeit nicht anders, als im Kopf diesen alten Kinderreim herzusagen: „Hasenbraten ist ein feines Essen. Hab’s zwar selbst noch nicht gegessen, aber meines Vaters Freund hat ’nen Freund, der hat neben einem g’sessen, der hat Hasenbraten sehen essen.“ Das kommt davon, wenn man vorm Frühstück zuviel Sport treibt, könnte der geneigte Leser jetzt vermuten. Hunger ist ja ein starker Impuls – und die – wenn auch nur imaginäre – Aussicht auf einen leckeren Schmaus kann mitunter ungeahnte Kräfte mobilisieren. Dass uns beim Anblick des immerhin in der Roten Liste der gefährdeten Arten in Kategorie drei eingestuften Meister Lampe nur das nächste Mittagessen einfällt, ist aus Sicht des Tierschutzes natürlich nicht optimal, hat aber mutmaßlich etwas mit archaischen Instinkten zu tun. Wobei auch die Hasenjagd so ihre Tücken haben kann und wir beim Versuch, den flinken Vierbeiner in unsere Nahrungskette zu integrieren, wahrscheinlich schlechte Karten gehabt hätten. Jedenfalls ließ er sich von uns erst einmal überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Als wir ihm dann offenbar doch zu nah gekommen waren, steckte er nach allen Regeln der Kunst das Hasenpanier auf. Uns bleibt der Ohrwurm und die ewig nagende Frage, was es zum Mittagessen gibt. Thorsten Langscheid

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Redaktion schreibt als Reporter über Mannheimer Themen