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Spiele-Tipps in Serie: „Azul“ - so macht Fliesenlegen Spaß

Von 
Uwe Schwab
Lesedauer: 
Ein Spiel für Wiederholungstäter: "Azul" ist dabei auch schön anzuschauen. © Pegasus Spiele

Mannheim. In Teil 2 unserer Brettspiel-Online-Serie stellt Spezialist Uwe Schwab "Azul",  das "Spiel des Jahres 2018" vor. In den nächsten Monaten folgen weitere ausgezeichnete Klassiker, aber auch Geheimtipps, aufwendige Brettspiele, kleine Karten- oder Würfelspiele für zwischendurch, Familien, Freundeskreise oder Spielezirkel. Zu Beginn starten wir gleich mit vier Tipps für den (Corona-)Winter. Nun aber zu "Azul".

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Die Vorgeschichte:

„Wer zuletzt in Portugal war, ist der Startspieler“ – sagt die Spielregel. Logisch, geht es bei „Azul“ doch um die berühmten portugiesischen Azulejos, also die wunderschönen farbenfrohen, häufig bläulichen Mosaikfliesen.

Wie seit einigen Jahren üblich erhoffen sich die Spieleverlage ein noch intensiveres Spielerlebnis, wenn sie einem Spiel eine Story oder einen historischen Hintergrund mitgeben. Und so lernt man bei Azul, dass König Manuel I. bei einem Besuch der Alhambra in Granada von den dortigen Fliesen so angetan war, dass er auch seinen Palast in Evara mit ebenso prachtvoller Wandbekachelung ausgestattet sehen wollte. Dabei helfen wir Spieler ihm jetzt. Also frisch ans Kachelwerk.

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Das Material:

Wer es gerne handschmeichlerisch mag, wird dabei auf seine Kosten kommen. Die kleinen Steine sind schön anzuschauen und anzufassen. Jüngeren Kinder sollte man zur Sicherheit erklären, dass es sich dabei nicht um verpackte Bonbons handelt. Die Schachtel und die Spielbretter sind farbenfroh aber überschaubar gehalten.

"Azul": Spielinfo und Bewertung

  • Michael Kieslings Legespiel eignet sich für zwei bis vier Spieler ab acht Jahren.
  • Erschienen 2017 im Vertrieb von Pegasus Spiele. Es gibt viele verschiedene Ausgaben und Ergänzungen.
  • Bei der Anschaffung muss man mit ca. 45 Euro rechnen.

Unsere Bewertung:

  • Spielspaß: 4
  • Einstiegshürde: 3
  • Langzeit-/Wiederspiel-Reiz: 4
    (Bewertungsskala: 1-5)

Der Ablauf:

Thematisch stimmig muss man zunächst in der Mitte ausliegende Steine, also die „Fliesen“, in einer „Musterphase“ auswählen und auf sein eigenes Tableau in einer „Musterreihe“ zwischenlagern. In der zweiten Phase wird die Wand (oder wahlweise auch der Boden) „gefliest“. Die Steine werden dabei von der linken Musterreihe auf ihren finalen Platz auf der rechten Tableau-Seite gelegt, wo sie dann Punkte bringen.
Jeder spielt mit seinem eigenen Spielplan und plant selbst, ob, wann und welche Steine genommen werden. Soweit so einfach und übersichtlich. Und das klingt erst einmal einzelgängerischer, als es ist. Denn die Fliesen liegen für alle zugreifbar in der Mitte auf sieben Scheiben aus – etwas zwanghaft themenbezogen als „Manufakturplättchen“ bezeichnet. Jeweils vier Fliesensteine pro Scheibe. Wer dran ist, darf nach definierten Regeln eine gewisse Menge an Steinen nehmen (also „mustern“) und wie oben beschrieben auf seinem Tableau zwischenablegen.

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Die Farbenpracht alter portugiesischer Kacheln prägt auch die Optik des Kartons. © Pegasus Spiele

Tipps und Strategie:

Kann man machen, in dem man nur schaut, was einem selbst hilft. Kann man, muss man aber nicht. Und sollte man auch nicht, wenn man gewinnen möchte. Vielmehr sollte man immer auch die Auslagen der Mitspieler im Blick haben. Denn wie in vielen Spielen gilt auch hier: Nach dem Zug ist vor dem Zug. Wenn ich etwas mustere, also eine Plättchenkombi nehme, hat das Auswirkungen auf die Plättchenauswahl des nachfolgenden Spielers. Also stehe ich häufig vor dem Dilemma: Bringt meine Aktion den anderen sogar mehr, als sie mir auf den ersten Blick hilft? Bei Azul ist es häufig sogar umgedreht: Okay, das bringt mir jetzt gar nicht sooo viel, aber schadet dem anderen noch viel mehr, weil er zum Beispiel Plättchen nehmen muss, die er gar nicht vernünftig legen kann.

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Die Spieleranzahl wird mit zwei bis vier Personen angegeben. Der Spielmechanismus funktioniert für jede Anzahl gut. Im Spiel zu zweit ist die taktische Komponente höher. Logisch: Die Aktion des einen Spielers hat immer direkt Einfluss auf den einzigen anderen Mitspieler (oder Gegner, je nachdem wie ernst man das Spielen so nimmt). Im Spiel zu viert kann ich naturgemäß nicht direkt kontrollieren, welche Auslage zwei Züge später vorhanden ist, auch wenn ich der im Spiel nach Punkten Führenden zwei Plätze weiter die drei hellblauen Plättchen ungern überlassen möchte.

Die Ausstattung von "Azul" überzeugt. © Pegasus Spiele

Das Ziel:

Gewonnen hat (üblicherweise nach den vom Verlagb angegebenen 30 bis 45 Minuten) der Spieler, der die meisten Punkte hat. Ja, völlig überraschend und überschaubar. Punkte gibt es wie oben beschrieben nach dem Abschluss der Fliesung, auf der rechten Tableau-Seite. Dabei gibt es Punkte für horizontal oder vertikal verbundene Mosaikfliesen. Da das Leben nicht perfekt ist, wird man zwischendurch allerdings nicht vermeiden können, dass Fliesen in der linken Musterreihe verblieben sind, also nicht gelegt werden konnten. Diese bedeuten Minuspunkte.

Das Fazit:

Azul ist das Spiel des Jahres 2018. Zu Recht; es kommt in vielen Spielebesprechungen nahe an die Höchstbewertungen heran. Es ist für Gelegenheitsspieler, Familien und Brettspielneulinge gut geeignet. Wer von langen Spielregeln abgeschreckt wird, der kann beruhigt sein. Bei Azul bestehen sie aus nur vier Seiten mit Bildern und Beispielen – und schon ist man mitten im Spiel. Und häufig danach in einem weiteren Spiel. Denn es ist eines von der Sorte: „Jetzt weiß ich, was ich eben hätte besser machen können. Wollen wir gleich noch einmal?“

Freier Autor Spiele-Experte

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