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Wolken, Watt und Wiesen

Natur, Geschichte und Kultur der niederländischen Provinz Friesland lassen sich auf insgesamt vier Pilgerrouten entdecken. Vielerorts kann man in ehemaligen Kirchen übernachten.

Von 
Carsten Heinke
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Pilgern kann man auch im Watt. © Carsten Heinke

Weit reicht das Auge übers flache Land am Meer. Strände, Dünen, Wiesen, Felder, Sumpfgebiete, Wälder – bedeckt von einem schier unendlich großen Himmel. So wie sich dem Blick die ganze Welt zu öffnen scheint, so schließen sich den Reisenden nach viel zu langer reisefreier Zeit die Herzen auf. Die Lungen voll vom frischen Nordseewind lassen sie die Seelen baumeln. Schon nach den ersten Schritten fühlt sich alles besser an. „Die Wahl war gut“, bestätigt Tourist Ángel die Entscheidung, im holländischen Friesland ein paar Urlaubstage zu verbringen. Der Katalane, der in Deutschland lebt, mag die Natur der nördlichen Region und ihr dichtes Wanderwegenetz – nicht zuletzt, weil er hier Robben sehen kann.

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Niederlande

Anreise Die friesische Provinzhauptstadt Leeuwarden erreicht man mit dem Zug über Düsseldorf und Arnheim oder Utrecht (www.bahn.de).

Unterkunft In einer ehemaligen reformierten Kirche in Oosterwierum befindet sich das Ferienhaus Ievers-Kirche mit Platz für 10 Leute (im Frühjahr ab 900 Euro/Woche, www.ievers.nl). Die Ferienkirche De Kraak van Vam in Oosterbierum für Gruppen bis zu 13 Personen (5 Schlafzimmer, 3 Badezimmer, Sitzbereiche im Kirchenschiff kostet im Frühjahr ab 1075 Euro/Woche (www.dekraakvanvandam.nl). Über die Stiftung Altfriesischer Kirchen (www.aldefrysketsjerken.nl) können Pilger einfache „Refugios“ in den stillgelegten Gotteshäusern buchen. Dazu gehören De Nicolaes Tsjerke (Nikolaikirche) in Swichum (www.kerkjevanswichum.nl), De Redbadtsjerke (Kirche des Heiligen Radbod), in Jorwert (http://kerk.jorwert.nl) und De Piterkerk (Peterskirche) in Lippenhuizen (www.piterkerklippenhuizen.nl).

Insel Schiermonnikoog: Außer beim Wandern, Radfahren oder Reiten kann man die Nordsee-Landschaften des Insel-Nationalparks und ihre Bewohner bei einer Planwagenfahrt oder Robbenboottour (ab 21,50 Euro) erleben (www.vvvschiermonnikoog.de).

Allgemeine Informationen www.friesland.nl/de www.holland.com/ odeaanhetlandschap

„Es ist ein prima Platz, um beim Bewegen an der frischen Luft Ruhe und sich selbst zu finden und neue Kraft fürs Leben in der Stadt zu tanken“, so der junge Mann aus Barcelona. Viele lassen sich wie er vom spröden Charme der uralten Kulturlandschaft betören.

Elf historische Städte liegen in der Region zwischen IJsselmeer und Groningen. „Bekannt ist sie für Wattwandern und Schlittschuhlaufen –und neuerdings auch immer mehr fürs Pilgern“, sagt Anke Dorenbos. Die deutsche Businesstrainerin lebt seit über 20 Jahren in den Niederlanden.

Ein gelbes Schneckenhaus leuchtet als Logo auf dem blauen Hinweisschild. Es stellt eine Nordsee-Wellhornschnecke dar und kennzeichnet den friesischen Jabikspaad (Jakobsweg). Der 150 Kilometer lange Abschnitt der sonst durch eine Jakobsmuschel repräsentierten Wallfahrtsroute ist der bekannteste Pilgerweg durch Friesland. Ausgangspunkt ist Sint Jacobiparochie – oder kurz: Sint Jabik.

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Das verträumte Städtchen liegt nordwestlich von Leeuwarden. Als Dorf am Meer entstand es zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Die neoklassizistische St.-Jakobs-Kirche in der Ortsmitte wird als Kulturhaus „De Groate Kirk“ genutzt. In deren Eingangsbereich ist das Pilgerinformationszentrum untergebracht.

Um den friesischen Teil des Jakobsweges auszuprobieren, wollen Ángel und seine Begleiter von Sint Jabik durch das flache, stille Nordseeland bis nach Akkrum an der Boorne laufen. Nachtquartier wird die Ievers-Kirche in Oosterwierum sein. Das ehemalige kleine Gotteshaus ist eine gemütliche Ferienunterkunft.

Übernachten unter Kirchenkuppen

„Der Legende nach soll bereits Karl der Große von einer Straße der Sterne geträumt haben, die vom Friesischen Meer zum Grab des Apostels Jakobs des Älteren bis nach Santiago de Compostela führte“, weiß Ángel, der in Spanien schon oft gepilgert ist. Nach der vollständigen Eingliederung Nordspaniens in das christliche Herrschaftsgebiet um 930 wurde die Ruhestätte des Missionars zum Ziel länderübergreifender Wallfahrten. Schon bald strömten dazu Pilger aus ganz Europa nach Santiago de Compostela. In Akkrum erwartet die Pilger neben zwei interessanten Sakralbauten die rot-weiße Coopersburg, ein prachtvolles Gebäude im Stil des Historismus. Der hier geborene Philantrop Folkert Harmens Kuipers alias Frank Cooper, nach Amerika ausgewandert und dort als Geschäftsmann erfolgreich, hatte es 1900 zum Dank an seine alte Heimat als Ruhesitz für arme alte Menschen bauen lassen.

Als Alternative zum Jabikspaad empfiehlt Anke Dorenbos den St.-Odulphus-Weg. „Er führt durch sieben friesische Städte und die landschaftlich reizvollen Regionen De Greidhoeke und Gaasterland“, so die Expertin. Übernachten könne man im ehemaligen Waisenhaus von Bolsward, heute ein Hotel. Dann auf den Bonifatius-Klosterweg. „Er folgt den historischen Spuren der friesischen Mönche zwischen Watt und Wald“, erläutert Dorenbos. Die Missionare Willibrord und Bonifatius kämpften hier für die Verbreitung des christlichen Glaubens.

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Willibrord, der als „Apostel der Friesen“ verehrt wird, kam 690 aus Northumbrien nach Friesland. Der in Wessex als Wynfreth geborene Bonifatius, später „Apostel der Deutschen“ genannt, unternahm seine erste Missionsreise 716 zu den Friesen. Zum Pilgern oder Wandern sei der Bonifatius-Klosterweg nach Meinung von Anke Dorenbos ganz einfach ideal: „Er verbindet wunderschöne Landschaften der Wattküste und des offenen Meereslehmgebietes mit Hügeldörfern, Heidefeldern und Wäldern“, schwärmt die Wahlholländerin. Höhepunkt der Tour sei das liebenswerte Dokkum. Für Christen spielt die Festungs- und Grachtenstadt mit wunderschönen alten Giebelhäusern eine besondere Rolle. Denn hier starb 754 der heilige Bonifatius den Märtyrertod.

Bereits kurz danach wurde Dokkum zum Wallfahrtsort und blieb es bis zur Reformation. Seit dem 19. Jahrhundert pilgern wieder Christen in die Friesenstadt. Viele hoffen dort auf kleine Wunder aus der Bonifatiusquelle.

Im grenznahen Zoutkamp beginnt schließlich die vierte Pilgermöglichkeit: der Claercampweg. Über 75 Kilometer mäandert er durch Frieslands Norden. Vorbei an Hegebeintum, der mit 8,8 Metern über Normalnull höchsten Warft (künstlich aufgeschütteter Siedlungshügel) der Niederlande, geht es zurück nach Sint Jacobiparochie. Für eine Wanderpause bietet sich das Kloster Klaarcamp an. Das heutige Museum war einst eine bedeutende Zisterzienserabtei.

„Das Übernachten unter Kirchenkuppeln ist in den Niederlanden schon ein Trend“, sagt Anke Dorenbos. Es gebe sogar ein spezielles Wort dafür: das „Tsjemping“ - gebildet aus „tsjerke“ (Kirche) und Camping. „Meistens sind es ganz einfache Unterkünfte, die wenig kosten und für wirklich großartige Pilgererlebnisse sorgen“, sagt die Touristikfachfrau.

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