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Sisi, Steffl, Sacher

Wien an einem verlängerten Wochenende: Die österreichische Metropole eignet sich ideal für einen Städte-Trip. Ein persönlicher Reisebericht – mit Empfehlungen für besondere Orte.

Von 
Konstantin Groß
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Zuletzt kamen sie wieder im Fernsehen, die „Sisi“-Filme. In zu farbsattem Color der 1950er Jahre erscheinen Hofburg & Co., machen Lust auf wieder mal Wien. Doch mit mehr als 600 Kilometern Entfernung ist ein normales Wochenende für diese Metropole zu knapp, ein um ein oder besser zwei Tage verlängertes jedoch ideal. Also „gemma“, wie der Wiener sagt.

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Besuch vor Ort: Autor Konstantin Groß am Stephansdom. © Gross

Wir sind nicht die einzigen, die an jenem Freitag diese Idee haben. Der um 7.11 Uhr in Mannheim startende ICE ist voll, Wien ist es bei der Ankunft auf dem 2014 neu eröffneten Hauptbahnhof um 15.30 Uhr auch. „Fast wie vor Corona“, freut sich der Taxifahrer: „Nur die Russen und Chinesen fehlen noch“, feixt er.

Einchecken im Hotel am Konzerthaus, für Wien erschwinglich und nicht zu abseits gelegen. Der erste Rundgang führt über die Ringstraße, die Champs-Elysées Wiens. Und charakteristisch für den Baustil der Metropole, der so einheitlich ist wie in keiner anderen Metropole. Aus der k. u. k.-Zeit stammend, also aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Kaum ein modernes Gebäude, und wenn, dann sticht es ins Auge, ob seiner Unansehnlichkeit.

Flaniermeile Kärntner Straße

Ankunft in der Hauptflaniermeile, der Kärntner Straße. Alle großen Marken sind präsent. Das Abendessen nehmen wir im „Gasthaus zur Oper“ ein. Hier soll es das beste Schnitzel Wiens geben. Gibt es. Und das zu annehmbarem Preis: 21 Euro.

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Tag 2. Der Wetterbericht kündigt bedeckten Himmel an. Ideal für Indoor-Aktivitäten, sprich Museumsbesuche. Vorbei am Schloss Belvedere durch seinen wunderbaren Park geht es zum HGM, dem Heeresgeschichtlichen Museum. Anders als dieser Name vermuten lässt, geht es ihm nicht um Soldatenherrlichkeit. Sein Slogan lautet vielmehr: „Krieg gehört ins Museum“ – wie aktuell ist diese Forderung in unseren Tagen.

Spektakulärstes Exponat: das Auto, in dem der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau 1914 in Sarajewo ermordet werden, Auslöser für den Ersten Weltkrieg. Ein Hauch Geschichte umweht einen, wenn man hier steht.

Das gilt auch für die nächste Station: die Hofburg. Wir blicken auf den „Führer-Balkon“, auf dem Hitler 1938 den Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland verkündet – unter sich auf dem Heldenplatz Tausende jubelnder Österreicher, die sich nach 1945 partout nicht mehr daran erinnern können: War da was?

Angenehmere Geschichte: in der Schatzkammer der Hofburg. Doch wir haben Pech: Das Glanzstück, die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, ist gerade zu wissenschaftlichen Untersuchungen ausgeliehen. Aber es gibt hier wahrlich noch genug zu sehen.

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Wir wollen uns ein drittes Museum antun: die kaiserlichen Wohnräume der Hofburg, das Sisi-Museum. Doch Achtung: Hier gibt es zwei verschiedene Schlangen – eine für die Tickets, die andere für den Eintritt. Darauf aufmerksam macht uns eine Dame, als wir bereits eine halbe Stunde in der falschen stehen.

Da gehen wir lieber etwas essen, ins „Bundeskanzleramt“. Nein, natürlich nicht in den nahen Amtssitz des Regierungschefs, sondern in das angrenzende Lokal gleichen Namens. Gestärkt mit gebratener Leber, für die es bekannt ist, geht es zur letzten Besichtigung des Tages. Nicht in die ehrwürdige Albertina, die wir links liegen lassen, sondern in ein Kleinod: das Dritte-Mann-Museum. Eine private Sammlung, die an den legendären Thriller von 1949 erinnert, der im Nachkriegs-Wien spielt und dank der Filmmelodie mit einer Zither berühmt ist. Das muss man einfach erlebt haben.

Erlebnis Stephansdom

Gleiches gilt für das abendliche Ereignis: die Osternacht nach zwei Jahren Pandemie wieder im vollen Stephansdom. Rund drei Stunden, von 21 bis fast 24 Uhr. Doch auch jene, die nicht religiös gebunden sind, sollten sich den Besuch dieses gotischen Wunderwerkes, von den Wienern liebevoll „Steffl“ genannt, nicht entgehen lassen. Wenn man Glück hat, erlebt man eine Predigt von Erzbischof Schönborn, einem der großen Kirchenfürsten unserer Zeit, mit 77 Jahren nach wie vor kämpferisch. Schlagzeilen macht er an jenem Tag, weil er den Impfgegnern entgegenhält: „Lieber Gott, lass Hirn regnen!“

Tag 3. Strahlender Sonnenschein. Jetzt geht es raus. Nach Schönbrunn, nicht ins dortige Schloss, sondern in den ältesten Zoo der Welt. Und mit diesem Pfund wuchert er. Mit einem historischen Lehrpfad, der nicht nur auf Tafeln über die frühere Unterbringung der Tiere informiert, sondern auch mit originalen Käfigen. Eindrucksvolle Zoo-Geschichte.

Für die letzte Übernachtung genehmigen wir uns das legendäre Hotel Sacher. Nicht billig. Doch Technik und Komfort auf höchstem Standard in historischer Atmosphäre. Schon die Bildergalerie der berühmten Gäste ist eine wahre Zeitreise. Und natürlich gibt es hier und im Café die legendäre Sacher-Torte.

Tag 4. Am Morgen der letzte Termin: die Kapuzinergruft nahe dem Sacher. Hier sind die berühmtesten Habsburger begraben: Kaiserin Maria Theresia und Franz Joseph, Kronprinz Rudolf (der in den Tod geht und seine Geliebte Maria Vecera mit sich nimmt), sowie vor allem Sisi (die in Österreich nur mit einem „s“ geschrieben wird). Vor ihrem Sarkophag liegen immer frische Blumen, ein Videofilmer aus Spanien gruppiert gerade die Familie davor. Und wir beschließen: Nach der Rückkehr, da schauen wir einen „Sisi“-Film an.

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