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Schlafen in der Weinidylle

Alte „Kellerstöckl“ in der Weinregion Südburgenland im Osten von Österreich sind begehrte und sehr gemütliche Übernachtungsmöglichkeiten.

Von 
Christiane Reitshammer
Lesedauer: 

Schlafen im feuchten, modrigen Weinkeller? Keine allzu berauschende Vorstellung. Übernachten in einem schmucken Kellerstöckl im Südburgenland? Das ist eine ganz andere und attraktivere Kategorie. Die kleinen Kellerhäuschen, an den sanften Hängen der österreichischen Weinregion aufgefädelt oder locker verteilt, sind als Unterkünfte begehrt, besonders in Zeiten, in denen Freiraum, Frischluft und Fröhlichkeit abseits der Touristenmassen gefragt ist.

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Etwa 2300 solche Kellerstöckl gibt es im Südburgenland und sie bereichern die Region im Osten Österreichs, die von Agrarflächen, Wäldern, Hügeln und kleinen, ruhigen Dörfern geprägt ist. Ideal zum Radfahren und gemütlichen Wandern ist die Gegend und bekannt vor allem als hervorragendes Weinbaugebiet mit den Hauptrebsorten Blaufränkisch, Welschriesling und Grüner Veltliner.

Burgenland

Anreise

Mit dem Auto über Passau und Graz. Mit dem Zug bis Wien (www.bahn.de) oder per Flug nach Wien oder Graz (www.austrian.com, www.eurowings.com) und weiter im Mietwagen.

Unterkunft

Übernachten im Kellerstöckl, buchbar über www.novasol.de und www.urlaubambauernhof.at Weber‘s Kellerstöckl, Eberau, ab 115 Euro pro Nacht für 2 bis 4 Personen. Weinloft II, Deutsch-Schützen, ab 150 Euro pro Nacht für 2 Personen.

Essen und Trinken

Buschenschenke Schreiner in Winten und Weinbau Stubits, Csaterberg, www.stubits.at Restaurant Csencsits, Harmisch, csencsits.at Weingut Wachter Wiesler, Deutsch-Schützen, www.wachter-wiesler.atRestaurant Ratschen und „Wohnothek“, www.ratschen.at

Weingut Wallner, Deutsch-Schützen, www.wallnerwein.at Weineks Schenkhaus, Kulm im Burgenland, www.weinek-wein.at

Allgemeine Informationen

www.burgenland.info, www.weinidylle.at www.suedburgenland.info REM

Die Kellerstöckl, die zum Teil schon im 17. Jahrhundert, viele noch im 20. Jahrhundert gebaut wurden, dienten den Weinbauern früher als Presshäuser, Weinkeller und Lager. Manche richteten es sich damals schon recht häuslich ein, um nach getaner Arbeit nicht mehr ins Dorf heimgehen zu müssen. Mittlerweile hat sich die Weinwirtschaft verändert und die Besitzer ließen die Keller verfallen – oder bauten sie zu heimeligen Freizeithäuschen mit Terrassen und Lauben zwischen den Weinreben und Obstbäumen um. Manche der Stöckl sind inzwischen richtig schick und modern im loft-artigen Design gestaltet, andere wiederum sind rustikal und bodenständig.

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Eines davon ist das Kellerstöckl der Familie Weber in Eberau, ganz nah an der ungarischen Grenze. Ganz allein, mitten im Grünen, steht es da, eingerahmt von Wald, Wiesen und Weingärten. „Der Urgroßvater meines Mannes hat es 1926 gebaut“, erzählt Manuela Weber und weist die Gäste noch auf einige Details für den Aufenthalt hin. Die Fassade des Hauses ist weiß gekalkt und mit dunklen Holzbrettern verschlagen, die Fensterläden sind petrolgrün gestrichen. „Die Fensterläden hat der Tischler originalgetreu gezimmert“, erzählt die Besitzerin. Die Räume - Küche, Bad, Wohnzimmer, Schlafzimmer – sind liebevoll eingerichtet, mit Holzmöbeln vom Tischler, alten Bildern und vielen kleinen Details, einem großen Esstisch und gemütlicher Couch. Mit Tipps für Gasthäuser, Buschenschenken, Cafés, Bäckereien und Einkaufsmöglichkeiten in der Gegend und ein paar Flaschen Wein und Uhudler-Frizzante im Kühlschrank ist man bestens gerüstet für den Urlaub in Eigenversorgung.

Die Nachfrage nach den Häusern ist groß. Noch immer befinden sich die meisten im Familienbesitz, immerhin etwa 15 Prozent wurden bisher an „Auswärtige“ verkauft. Einige dienen auch als Museen und Vinotheken. In Moschendorf etwa befindet sich ein Weinmuseum mitten in einem Ensemble aus alten, strohgedeckten Holz-Lehm-Bauten und Weingärten. Die Besucher haben hier die Möglichkeit, kleine und größere Kostproben der besten Weine der „Weinidylle“ des Südburgenlands zu verkosten.

Das Kellerviertel von Heiligenbrunn, ganz in der Nähe, lädt zu einem Spaziergang zwischen den denkmalgeschützten Weinkellern und zu einem Umtrunk. Unbedingt probieren sollte man ein Glas Uhudler, der einst aufgrund seiner (angeblichen) Wirkung einen schlechten Ruf hatte, aber inzwischen als reines Naturprodukt gilt und auch nur hier kultiviert wird. Dazu ein Grammelpogatscherl (ein pikantes Hefegebäck) - eine perfekte Kombination!

Weiter im Norden der Region liegt Kohfidisch mit dem Csaterberg. Der Doppelberg aus Klein Csater und Hoch Csater hat als Weinbaugebiet seit Jahrhunderten Tradition. Auch hier sind die Kellerstöckl geschätzte Ausflugsziele – etwa für die Gäste im nahen Thermenort Bad Tatzmannsdorf – und beschauliche Rückzugsorte. Ob Frühling, Sommer oder Herbst – im Garten bei einem Glas Wein sitzen und den Blick über die Hügellandschaft, die Wälder und Weinberge wie auch über die Dächer der Häuschen schweifen zu lassen, ist Erholung pur.

„Es ist eine einmalige, wirklich stilvolle Gegend. Als junger Mensch war mir das alles ziemlich wurscht. Aber mittlerweile habe ich das auch erkannt“, sagt Rainer Stubits. Mit seiner Familie betreibt er ein Weingut und eine Buschenschenke. Am Berg besitzt die Familie zwei Kellerstöckl, eines davon fast original erhalten und offen für eine Besichtigung, ein zweites, das als moderne Weinstube fungiert und in dem Weine, Kleinigkeiten zum Essen und Verkostungen seiner besten Tropfen angeboten werden. Der Blick über die Weinlandschaft von der schönen Terrasse ist natürlich inklusive. Etwa 260 weitere Kellerstöckl liegen am Csater. Die Nachfrage zum Kaufen ist groß, aber meist vergebens, weiß der Weinbauer. Wohnen auf Zeit immerhin ist an einigen Adressen möglich.

Wanderziel Weinberg im Burgenland Bild: Andreas Hafenscher



Wanderziel Weinberg im Burgenland Bild: Andreas Hafenscher
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