AdUnit Billboard

Schären-Hüpfen

Ein Besuch der schwedischen Hauptstadt Stockholm lässt sich wunderbar mit einen Schärentrip auf die Insel Utö verbinden.

Von 
Geraldine Friedrich
Lesedauer: 
Die großen Felsen sind ideal für kletterfreudige Kinder. © Geraldine Friedrich

Was – kein Krabbenangeln?“, fragt Tim und guckt enttäuscht. Frisch angekommen in Stockholm ist der Elfjährige sofort zum Wasser gestürmt. Doch vor Djurgården, einer von 14 Inseln Stockholms, sind keine Krabben zu sehen. Stattdessen: coole Bars, Restaurants und Museen. Stockholm liegt umzingelt von 30 000 kleinen felsigen Inseln, Schärengarten genannt, zwischen Mälar-See und Ostsee. Süß- und Salzwasser mischt sich hier zu Brackwasser. Krabben mögen das nicht. Doch die gute Nachricht lautet: Auch Schiffsbohrwürmer lieben kein Brackwasser. Das versöhnt den Nachwuchs wieder, denn so konnte das Wrack der legendären „Vasa“ erhalten bleiben.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Das Schiff versank bei der Jungfernfahrt am 10. August 1628 im Stockholmer Hafen, wurde sehr viel später geborgen und ist heute im Vasamuseet ausgestellt. In Vitrinen liegen Überreste der rund 50 Menschen aufgebahrt, die bei dem Unglück ertrunken sind. Da ist etwa der 35-jährige Helge, dessen Skelett die Taucher eingeklemmt unter einer Kanone fanden. Wissenschaftler ermittelten nicht nur sein ungefähres Alter, sondern fanden auch heraus, dass er gut ernährt war. Allerdings litt er an Karies – wie Röntgenaufnahmen zeigen und eindrucksvoll die Folgen des Nicht-Zähneputzens demonstrieren. Papa Michael ist derweil fasziniert vom Film über Anders Franzén: „Drei Jahre hat er in Archiven recherchiert und parallel dazu den Hafen mit Senkbleien Stück für Stück abgesucht - bis er die ,Vasa‘ tatsächlich fand.“

Schweden

Anreise Flug ab Frankfurt nach Stockholm, z. B. mit SAS, www.flysas.com. Weiter mit der Fähre nach Utö, https://waxholmsbolaget.se/.

Unterkunft In Stockholm: Familienfreundlich mit Garten und Schaukel ist das Hasselbacken, Viererzimmer mit Frühstück ab 130 Euro, https://hasselbacken.com/en/. In Utö: Günstige Ferienhäuser von privat bietet www.stugknuten.com. Das Utö Vardshus liegt im touristischen Zentrum der Insel und bietet neben Hotel und Mehrbettzimmer im Hostel auch Ferienhäuschen, www.utovardshus.se/

Aktivitäten In Stockholm kann man Fähren, Tram und Busse nutzen und schlendernd einzelne Stadt-Inseln wie die Altstadt Gamla Stan erkunden. Ein Muss: das Vasa-Museum www.vasamuseet.se. Wenn man mindestens 5 bis 6 Museen anschaut und den öffentlichen Nahverkehr nutzt, lohnt sich der Stockholmpass für 120 Euro pro Erwachsenem (72 Stunden gültig, www.stockholmpass.de). Auf Utö: Per Rad Insel und Strände erkunden, vor allem Storsand auf ˝lö. Eine Inselkarte gibt’s an der Rezeption im Utö Vardshus.

Essen und Trinken Stockholm: Restaurant im Spritmuseum direkt am Wasser, https://spritmuseum.se/en/. Idyllisch im Park unter Apfelbäumen im www.rosendalstradgard.se/. Utö: Tollen Fisch gibt es in Krogen Batshaket auf ˝lö, https://batshaket.se/.

Allgemeine Informationen Schweden Tourismus, www.visitsweden.de, Stockholm Tourismus, www.visitstockholm.com

Im Umkreis von wenigen Hundert Metern des Vasa-Museet liegen Abba-Museum, Nordisches Museum und Wikinger-Museum. In direkter Nachbarschaft befindet sich zudem der Vergnügungspark Gröna Lund mit Riesenrad und einem Kettenkarussell, in dem man übers Wasser fliegt. Das Technik-Museum liegt zwar weiter weg, lässt sich aber mit einem schönen Spaziergang durch Villenviertel, Rosendal-Park und dem Besuch des Rosendals Trädgårdcafé verbinden, wo man gemütlich unter alten Apfelbäumen isst. Wer Stockholm mit Kindern erkunden will, ist mit einer Basis auf der grünen Insel Djurgården gut aufgehoben – und wohnt trotzdem nur zehn Straßenbahnminuten (Linie 7) vom Zentrum entfernt.

Von dort ist es auch nicht weit zum Strömkajen, dort legt die Personenfähre nach Utö ab. Nach drei Tagen Stadtaufenthalt ist die über drei Stunden dauernde Schiffsreise willkommen. Gemächlich schippert die „Gustafsberg“ durch die dicht aneinander gelegenen Schären, bis sie an der Gruvbryggan in Utö anlegt, wo sich die meisten Geschäfte und Restaurants der Insel befinden. „Gruv“ heißt Bergwerk. Der Name der Landungsbrücke weist auf die Wirtschaftsgeschichte der zehn Kilometer langen und vielleicht 1,5 Kilometer breiten Insel hin. Über Jahrhunderte verdienten die Einwohner ihr Einkommen in den Minen. „Auch Kinder ab acht Jahren mussten arbeiten und das Erz herauspicken“, erzählt Charlotte Schröder, die auf ihrer eigenen kleinen Insel neben der Hauptinsel lebt.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Die 75-Jährige kennt allerlei Details und Anekdoten. So seien seit 1725, seitdem die Geburten in Kirchenbücher verzeichnet werden, auf der Insel fast nur Jungs geboren worden. Wahrscheinlich habe das an dem giftigen Wasser aus den Minen gelegen, das alle getrunken haben. Das Gerücht entstand, dass Arsen die Ursache für den Männerüberschuss sei. Vielleicht war es bei einer eher geringen Einwohnerzahl von 220 ständigen Einwohnern aber einfach nur Zufall. Heute sind von den 15 Schülern auf der Insel immerhin vier Mädchen, allerdings trinken die Einwohner auch nicht mehr das Grubenwasser.

Am besten erkundet man die bewaldete Insel zu Fuß oder mit einem gemieteten Rad. Eine knappe Stunde braucht man, um vom Ferienhäuschen beim Utö Vardshus die knapp 14 Kilometer an einen der schönsten Strände namens Storsand (schwedisch „stor“ = groß) zu radeln. Der Strand liegt auf der mit einer Brücke verbundenen Nachbarinsel ˝lö. Auf dem Weg nach Storsand passiert man erst das Dorf mit Schule und Kirche, anschließend durchquert man das militärische Sperrgebiet, wo man die Wege nicht verlassen darf. Die Militärzone besteht aus naturbelassenem Wald, ein paar Lagerhäusern und drei zur Besichtigung ausrangierten Panzern, die Tim prompt erklimmt.

Ein Stück weiter öffnet sich der Kiefernwald, und man blickt auf einen Sandstrand samt flachen Felsen und blauem Meer. Storsand ist ein Postkartentraum fast wie in der Karibik – einzig die Wassertemperatur passt nicht ganz. Tim ist das egal, er stürzt mit Feuereifer an den Strand und fängt sofort an, eine Sandburg zu bauen. Die riesigen von der Sonne gewärmten Felsen eignen sich übrigens perfekt, um sich nach dem erfrischenden Bad aufzuwärmen.

An der Nordostküste Utös führt ein markierter Rundwanderweg über Felsen, ideal für kletterfreudige Kinder. Ab Ende August trifft man hier außerhalb der Ortschaft kaum Menschen, dafür aber Elche. Am letzten Ferientag sieht sie Tim erstmals in freier Wildbahn: Eine Elchkuh quert mit ihrem Jungen gemütlich die Straße und verschwindet im Wald. Wer braucht da noch Krabben?

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3
AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1