AdUnit Billboard
Reisebericht

Radeln am Wasser im südlichen Österreich

Zehn Seen und zwei Flüsse. Wer im Süden Österreichs mit dem Fahrrad der großen Seen-Schleife folgt, erlebt so manches blaue Wunder – im positiven Sinne. Unsere Autorin hat sich auf den Weg gemacht.

Von 
Anita Arneitz
Lesedauer: 
Der Pyramidenkogel am Wörthersee. © Tine Steinthaler/Kärnten Werbung/dpa-tmn

In den Alpen drängt sich der Weißensee als Naturbursche zwischen die Berggipfel. Am Millstätter See sind die Buchten voll mit Legenden. Geschäftiges Treiben herrscht am mondänen Wörthersee mit Gourmetlokalen und Dolce-Vita-Gefühl unter Palmen. Ein Stückchen weiter, am Keutschacher See, wechselt die Szenerie. Es wird still zwischen Schilf, Pfahlbauten und schattigen Wäldern.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Fröhlich türkis. Silbrig glänzend. Geheimnisvoll nachtblau. In Kärnten beherrschen die Seen das Spiel mit der Farbe. Immer wieder zeigt sich das Wasser anders. Mal liegt es ganz ruhig und die Berge spiegeln sich auf der glatten Oberfläche. Dann plätschert es wieder aufgeregt ans Ufer. Fast erscheint es so, als habe jedes Gewässer eine eigene Persönlichkeit.

Klar, in vielen Regionen reihen sich Seen aneinander. Doch die Landschaft ist selten so abwechslungsreich wie im Süden Österreichs. Auf 340 Kilometern führt die Große Kärntner Seen-Schleife als Radrundweg zu zehn Seen und zwei Flüssen der Region. Wer die Tour fährt, dem wird die Vielfalt der Seen erst so richtig bewusst.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Jazz, Klassik, Orgelmusik, Schiffssirenen, ein krähender Hahn. Beim Stift Ossiach gibt es viel zu hören. Das frühere Benediktinerkloster aus dem 11. Jahrhundert ist heute Heimat des „Carinthischer Sommer“. Das Festival gehört zu den bedeutendsten Musikevents Österreichs.

Immer wieder proben die Musiker bei offenem Fenster. Allein schon wegen des barocken Stiftes lohnt sich die Runde um den Ossiacher See nordöstlich von Villach.

Etwas weiter den See hinauf an der Mündung der Tiebel heißt es Absteigen und Schieben. Auf dem Weg durch das Naturschutzgebiet Bleistätter Moor ist Radfahren nicht erlaubt. Das macht aber nichts. Die vielen Fotomotive auf der Strecke hätten sowieso für ständiges Anhalten gesorgt.

AdUnit Mobile_Pos4
AdUnit Content_3

2017 wurde das Ostufer geflutet und bekam dadurch sein ursprüngliches Aussehen zurück. Schnell sind die etwas weniger als 30 Kilometer rund um den Ossiacher See geschafft. Wem das zu kurz ist, der radelt gleich weiter bis zum Millstätter See und kann unterwegs noch in den Afritzer See und den Brennsee hüpfen. Wirft er da etwa eine Frau ins Wasser? Die Statue vom Heiligen Domitian mitten im Millstätter See wirkt dramatisch. Um das Jahr 800 soll er durch ein Unglück in seiner Familie – sein Sohn ertrank im See – zum Christentum bekehrt worden sein.

Domitian soll Tausende Statuen, lateinisch: mille statuae, ins Wasser geworfen haben. Der Name von Millstatt geht auf diese Legende zurück. Allerdings wurde keine einzige Statue im See gefunden. Dafür gibt es im Stift andere Schätze zu bestaunen.

Millstatt war lange Zeit das geistige und kulturelle Zentrum Oberkärntens, geprägt von Benediktinermönchen, Adelsgeschlechtern, Rittern und Jesuiten. Mit der Millstätter Handschrift entstand hier eines der bedeutendsten Werke frühmittelhochdeutscher Literatur. Die Räder rollen durch den Wald, vorbei an blühenden Wiesen. Dazwischen tauchen immer wieder kleine Buchten auf, wo man kurz die Füße erfrischen und den Blick auf den See genießen kann.

Die Verbindungsstrecke vom Millstätter See hinauf zum Weißensee auf 930 Meter Seehöhe kann im Urlaub abgekürzt werden. So bleibt mehr Zeit, um den Naturpark zu entdecken.

Der James-Bond-Film „Der Hauch des Todes“ machte den zugefrorenen Weißensee Ende der 80er Jahre bekannt. In den wärmeren Jahreszeiten ist die Region um den See ein Paradies für Mountainbiker.

Zwei Drittel sind unverbaut. Deshalb gibt es keine durchgehende Straße durchs Tal oder rund um den See. Radler können den See trotzdem umrunden – mithilfe der Alpenperle, einem Elektro-Hybrid-Schiff. Zuerst geht’s nach Naggl, von dort bis zur Hoffnungskirche unter freiem Himmel. Hinsetzen, nachdenken, in die Landschaft schauen. Es ist einer von jenen Orten, an denen es nicht viel braucht, um zur Ruhe zu kommen. Nur noch ein intensiver Anstieg, dann rollen die Räder quasi von alleine durch das Gailtal bis zum Pressegger See. Typisch für ihn ist der große Schilfgürtel mit den Moorflächen und Wasserpflanzen.

Mit jedem Kilometer mehr rücken die Alpen nun ab. Das Tal wird weiter, die Landschaft lieblicher. Markiert wird der Szenenwechsel vom türkisfarbenen Faaker See und dem Gebirgszug der Karawanken samt dem Mittagskogel, dessen pyramidenförmiger Kegel an Vulkane erinnert. Auf der 46 Kilometer langen Burg-Runde um den Faaker See bremst man daher häufig überrascht ab, um die Kamera zu zücken.

Ein kurzer und knackiger Anstieg auf den Kanzianiberg führt zur Burgruine Finkenstein. Die mächtige Burg wurde im 12. Jahrhundert errichtet. Heute wird die Burgarena für Open-Air-Konzerte genutzt und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Aktuell wird sie umgebaut, die Wiederöffnung ist für Mitte Juni geplant.

Burgschenke und Innenhof mit Panoramablick sind sonst öffentlich zugänglich. Vorausgesetzt, die Waden schaffen noch die Stufen auf den Felsen. Vier Tage Radfahren hinterlassen doch Spuren. Höchste Zeit also für die flachere Ostseite der Seen-Schleife.

Einmal um den Wörthersee zu radeln, gehört zum Pflichtprogramm. Schließlich ist er der größte und bekannteste See Kärntens.

Die rund 50 Kilometer mit einem Abstecher zum Keutschacher See, dessen Pfahlbauten zum Unesco-Welterbe zählen, sind dank Pausen nicht beschwerlich: Selfie vor Schloss Velden am Westufer, Abstecher zum 70 Meter hohen Holz-Aussichtsturm Pyramidenkogel, dann Eis essen auf der Promenade in Pörtschach am Nordufer, Mittagspause unter Palmen in der Klagenfurter Ostbucht, auf dem Rückweg am Südufer noch ein Besuch in der Wallfahrtskirche Maria Wörth und Sundowner zwischen Seerosen.

Wer sein Handtuch zu Hause liegen lässt, wird es bereuen. Die Badesachen gehören beim Radtrip auf der Großen Seen-Schleife zur Grundausstattung – sei es fürs Zehenplanschen im Flusswasser oder die Schwimmrunde. Bei zahlreichen Badeseen gibt es neben den Strandbädern mit Eintritt auch kleinere öffentliche Zugänge. Die sind mit gelber Tafel sowie Rettungsring gekennzeichnet und dürfen kostenlos für einen kurzen Sprung ins Wasser benutzt werden.

Am letzten Tag unserer Reise rollen die Fahrräder fast wie von alleine durch das Rosental. Die Route gibt der Fluss Drau vor. Von Villach bis zum Klopeiner See verläuft die Strecke immer leicht bergab. Auf der Etappe passiert man die Keltenwelt Frög, ein Freilichtmuseum zur Hallstattzeit (800 bis 500 v. Chr.).

Bei der Kaffeepause im Schloss Rosegg kommt auch noch ein Geldfälscher ins Spiel. Im 19. Jahrhundert lebte Peter Ritter von Bohr, ein Geschäftsmann und Erfinder. Woher sein Geld kam, war nicht immer nachvollziehbar. In Rosegg druckte Bohr jedenfalls Banknoten im großen Stil. Irgendwann kam man ihm auf die Schliche. Er landete im Kerker und in den Geschichtsbüchern – als Österreichs größter Geldfälscher.

Manchmal ist ein aufdringliches Summen am Wegesrand zu hören. Das sind die Carnica-Bienen, die hier seit Jahrhunderten heimisch sind. Der Biene ist sogar ein eigenes Museum gewidmet, das liegt in Ferlach nahe des Ferlacher Stausees. Je weiter es in den Süden geht, desto breiter und seeähnlicher wird die Drau.

Naturbelassene Buchten wechseln sich mit kleinen Häfen und Rastplätzen am Ufer ab. In der Dragositschacher Bucht liegt neben dem Radweg eine Beobachtungshütte für Wasservögel. Kraniche, Schwäne, Reiher, Fischadler und Sumpfhühner zeigen sich.

Unaufgeregt wirkt die Weite des Wassers. Die Schattierungen von Blau beruhigen. Tiefenentspannt geht’s zum nächsten See.

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1