Malta im Winter

Südlicher als Tunis: Selbst jetzt in der kalten Jahreszeit kann man auf Malta noch baden. Darüber hinaus besitzt die Felseninsel Kirchen, Geschichte und filmreife Orte im Überfluss

Von 
Viola Keeve
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Britische und arabische Einflüsse sind auf Malta allgegenwärtig. © Imago/NurPhoto/Michal Fludra

Wer sich an enge, volle Straßen und wilden Linksverkehr heranwagt, entdeckt eine erstaunliche Insel zwischen Sizilien und Tunesien. Einen Ort zum Überwintern mit alten Palästen, Granatapfelbäumen, Steinmauern und Feigenkakteen, drei Flugstunden entfernt. „Malet“, Zuflucht, nannten sie die Phönizier. Die Römer bauten Wein an, Oliven und Rosen, Araber Zitronen und Baumwolle. Später wurde Malta christliches Bollwerk gegen die Osmanen, das Kreuzritter des Johanniterordens erfolgreich verteidigten. Die Briten trafen 1800 ein. Als die Insel im Zweiten Weltkrieg über 2000 deutsch-italienischen Luftangriffen standhielt, nannte Churchill sie einen „unversenkbaren Flugzeugträger“. König Georg VI. verlieh den Maltesern für ihren Mut 1942 das Georgs-Kreuz, das ihre Flagge ziert.

Hollywood dreht hier

In den Studios in Kalkara haben sie ein Becken für Film-Wasserschlachten. Kein Wunder, dass Hollywood auf Malta dreht – „Troja“, „Game of Thrones“ oder das Agentendrama „München“. Rote Telefonzellen wie in London, barocke Kirchen wie in Rom, Tempel, älter als Stonehenge: 7000 Jahre Geschichte verdichtet auf kargen Felsen, nicht größer als Bremen.

Malta

Anreise

Flug ab Frankfurt, z. B. mit Lufthansa, www.lufthansa.com. Ab März 2023 gibt es auch eine Nonstop-Verbindung ab Memmingen mit Ryanair, www.ryanair.com. Auf der Insel ist man mit Bussen mobil, www.publictransport.com.mt oder https://maltabuscoop.com.

Unterkunft

Point de Vue ist ein hübsches Bed & Breakfast in einem Haus aus dem 17. Jahrhundert in Mdina, 15 Zimmer, ab 69 Euro, https://pointdevue-mdina.com.

Den schönsten Dach-Pool besitzt das Design-Hotel Cugó Gran Macina in Senglea (ab 215 Euro). Wie als Gast bei adeligen Freunden ruht man in der Casa Rocca Piccola in Valletta, zwei Nächte mit Frühstück ab 320 Euro, https://casaroccapiccola.com.

Essen und Trinken

Den besten Kaffee serviert das Granelli in Rabat. Nebenan gibt es Teigtaschen aus dem Ofen. https://granelli.com.mt. Abends isst man in Mdina mit Aussicht – im Fontanella Tea Garden auf der Stadtmauer. Berühmt ist die Schokoladentorte, www.fontanellateagarden.com.

Aktivitäten

Dörfer wie Mgarr sind ideal zum Wandern. Beeindruckend: Barock-Festival im Teatru Manoel, der Oper der Großmeister (11.-29. Januar. www.festivals.mt/vbf).

Allgemeine Informationen

Fremdenverkehrsamt Malta, https://malta.reise VK

In einer Stunde erreicht man fast jedes Ziel auf Malta, 28 Kilometer lang, halb so breit. Im Winter ist der kleinste Staat Europas günstig. Ab 400 Euro kann man eine Woche verbringen – auch auf Gozo, der ruhigen Nachbarinsel. Comino, die kleinste mit weißem Strand, der Blauen Lagune, ist nur als Tagestrip möglich.

Roter Sand der Sahara

Malta ist flach, Wind und Wetter ausgesetzt. Manchmal weht roter Sand der Sahara herüber, regnet, stürmt es. Wege, Stufen können rutschig sein und Straßen überfluten. Aber im Winter ist es mit 14 bis 21 Grad angenehm warm. Manche baden noch im Meer. Im Herbst ist es oft zu heiß zum Wandern, im Nordosten, anders als jetzt – in der Karstlandschaft mit Höhlen, Salzpfannen und Dörfern im Weihnachtsschmuck wie Mgarr.

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Hier wirkt die Weinbar Bottega Frawli mit rotem Holz, Fässern, karierten Decken und roter Vespa, als träfe gleich ein Filmteam ein. Schnecken, Kaninchen in Weißwein isst man um die Kirche mit der riesigen Kuppel. Ältere Malteser plaudern, unbeeindruckt von Touristen auf Malti. Die semitische Sprache mit arabischen Einflüssen verstünden sie ohnehin nicht. Englisch ist zweite Amtssprache, bis 1964 war Malta britische Kolonie. Die verstorbene Queen Elisabeth II. liebte das Hotel Phoenicia in Valletta, tanzte im Ballsaal mit Prinz Philip, ging in Vallettas Adelshäusern ein und aus – vor ihrer Krönung. Viele machen Bildungsurlaub in St. Julian’s oder St. Paul’s Bay, wo 59 n. Chr. Apostel Paulus gestrandet sein soll: morgens Englisch, dann zum Strand, abends nach Mdina, in die „stille Stadt“, die alte Hauptstadt von 1530, „Città Notabile“, elegant, gestrig in bestem Sinn. Nicht mal 300 Menschen leben hier. Wie eine Kulisse wirkt auch ein Adelspalast in Valletta: Freitags führt Marquis de Piro selbst durch die Räume der Casa Rocca Piccola. Auf der Tafel im Wintersalon stehen Glasbehälter von einst für Eis, das täglich aus Sizilien eintraf. Hätte man die Wahl: Kanaren oder Malta, sie fiele immer auf Malta – schon wegen der zurückhaltenden, freundlichen Menschen. Wer auf Malta zu Gast ist, vergisst nicht die Strände – Golden Bay, Paradise Bay und Ghajn Tuffieha Bay, dem schönsten von allen. 180 Stufen führen zum schmalen Strand, von Felsen gesäumt, ideal geeignet zum Schnorcheln. Oben steht ein Wehrturm, gegenüber liegt ein Felsen, um den ein Weg führt, beliebt bei Sonnenuntergang.

Valletta lohnt sich auch für einen zweiten Besuch: Überall sieht man das Meer in der Stadt mit bunten Holzbalkonen, Treppen und Cafés, Lagerhäusern, schachbrettartigen Straßen – am Reißbrett geplant, 1566 von den Großmeistern des Johanniterordens. Die Kreuzritter bauten hier 1731 eines der ältesten Opernhäuser Europas, das Teatru Manoel. Und eine Kirche muss man sehen: St. John’s Co-Cathedral, goldener wird es nicht. Hier hängt Caravaggios Meisterwerk „Die Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers“ von 1608. Wer an Luxusjachten vorbeifahren möchte, nimmt die Katamaran-Fähre für 1,50 Euro nach Senglea, auch bei Gewitter ein Erlebnis. Dann möchte man nicht in den alten Holzbooten sitzen, die bestückt sind mit dem schützenden Auge des Himmels- und Lichtgottes Horus. Ägypten ist nicht weit.

Wer lieber an Land ist, geht bei Mtahleb im Rogantinos in den Palazz Lahmar, ein Landhaus aus dem 15. Jahrhundert. Hier isst man in den Weinbergen Spanferkel. Auf den Feldern ringsum wachsen Zucchini, Paprika und Dattelfeigen. Wo man Sterne sieht zwischen Schilf und Zoo mit brüllenden Löwen – das ist Wildlife Malta. Fast so wie im nicht weit entfernten Afrika.